Band 
IV.
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Der Komet.

Kartenrezensionen noch heute durch die allgemei-nen geographische» Ephemenden erhalten sollen.Oder sind den» die Fürstenthümer Scheerau,Flachsenfingen, Hvhenfließ, so wie die StädtePestiz, Kuhschnappel, Fletz, Rom, und so vieleandere, von welchen ich (und zwar als der erste,so weit meine geringe Belesenheit reicht) einigeNachrichten als Beiträge zur Kleindeutschlands -Länderkunde geliefert, sind sie seitdem nur imGeringsten näher untersucht und beschriebenworden, von so vielen Reisenden und Erdbe-schreibern ?

Blos das Landstädtchen Krähwinkel nehm'ich aus. welches in Kleindeutschland im Fürsteu-thum Flachsenfingen (ganz verschieden von einemDorfe in Norddeutschland) liegt, und wovon ichdie ersten Nachrichten (*) bei Gelegenheit einer daspielenden Geschichte gegeben. Kotzebue hatte nundie Gefälligkeit, das von mir zuerst beschriebeneStädtchen mit seinen Kleinstädrern zu bevölkernund sie darin handeln zu lassen, als wären sie dar-in geboren. Indeß hätte er — wenigstens habendie andern Namenvettern in Norddeutschland sichdarüber bekanntlich im Druck beschwert — wohlirgendwo anmerken mögen, daß ich zuerst ihn in dasStädtchen gebracht; an sich zwar eine wahre Klei-nigkeit , sowohl für den Kotzebue'schen Nachruhmals für den meinigen, aber die kritisch-geographi-sche Welt will doch genau wissen, wer von unsbeiden Amerika zuerst aufgefunden, ob eigentlichKvlombus oder ob Vesputius Amerikus, der zudeutsch Emmerich heißt; und ich berufe mich hierauf den H. Kapitän Kotzebue, der ja selber ent-deckte.

Im Ganzen belohnen mich meine Werke wenig-stens durch die Beruhigung, daß ihnen und beson-ders dem gegenwärtigen, sollten sie auch zu dünnepoetische Ausbeute darreichen, doch geographischegenug übrig bleibt, welche sie zur Nachwelt auseiner Jetzv - Welt hinüberbringen kann , wo unterallen Karten während der freundschaftlichen Frie-denschlüsse keine durch geschickte Irrusss mölangeso sehr gemischt werden als Landkarten. Für michwird es noch immer Schmeichelei genug bleiben ,wenn ein künftiger Pomponius Mela — gleich je-nem Geographen, welcher (nach Addisons Zu-schauer) das Heldengedicht VirgilS aufmerksamdurchgegangen, nicht um die poetischen Schönheiten,sondern um die geographischen Nachrichten vonItalien darin aufzufischen — gleicher Gestalt Laslauge Prosa-Epos des K v m ete n weit mehrwegen der trocknen Notizen, die ich über Klein-deutschland mittheile, als wegen der dichterischenSchönheiten und Blumen durchstudiert und lieb-gewinnt, die ich in Einem fort unterwegs ver-streue, um der geographischen Kunststraße so zusagen Las Trockne zu benehmen, — —

So fange denn endlich die wahrhaft wichtigeReise an!

Die Reisezeit war nicht trefflicher zu wählen,denn es war Lenzanfang, folglich der 21. März;im März aber zu reisen, ist sehr köstlich, zumal

(*) 2 m heimlichen Klag lieb bcr Män-ner, das 1001 bei Wilmans erschien. Koycbue's Klein-städter kamen einige Jahre später heraus.

wenn man vor Staub kaum sein eignes Wagenradoder sein Sliefelpaar sehen kann. Welche ausge-heilete Herzen schlugen vom Marggras Nikolausan bis zum Kandidaten und Stößer hinab; —welche beide nun vollends stilltoll waren vor Lust— den» es fehlte an nichts, weder an Himmel, »ochan Erde -

Das Himmelblau sah aus, wie eine jungeJahrzeit; als wär' es anders gefärbt, so sehrerschien alles Aelkeste neu — ; die Tannenwälderergrünten luftig unter ihren Schneekronen, alswär' es im Winter anders — gelbe Gänse-blümchen und gelbe Schmetterlinge, immer dieersten im Herauskommen, trugen neue chine-sische Kaiserglanzfarben auf die bisher erdfarbigeErde auf; — das welke Hsrbstlaub der Büscherauschte zwischen den lebendigen jungfräulichenKnospen, aber das Rauschen war viel schönerals das andere des noch ziemlich frischen Fall-Laubs im Herbste. Der Vorfrühling kann sicbzwar nicht zu den Mensche» hinstellen wie derNachsommer, und zu ihnen sagen: »seht, wasich auf den Armen und Zweigen habe, undich wills euch zuwerfen» — ; er braucht viel-mehr selber Kleider und Früchte; aber ihrliebt ihn doch wie ei» nacktes Kind, das euchanlächelt.

Der Wetter - Kandidat Richter sprach sich

darüber paffend gegen den Reisemarschall Wor-ble aus, welcher neben ihm saß und fuhr.

Worble hatte nämlich, da er mit dem größ-

ten Vergnügen sah, daß wenigstens einer ausdeS Fürsten Gefolge den Fürsten für keinenApotheker ansah, sich mit Richter in den lee-ren Zeremonienwagen gesetzt — den leeren Gaulließ er nachreite» — in» ihn als einen we-

niger Kleingläubigen als Grvßgläubigen ganzvoll zu packen mit lauter halbwahren, aus einerbesonder» Linkerhand-Ehe der Wahrheit mit derLüge erzeugten Berichten von Marggrafs Jugend-leben , für welche er recht leicht das ganze Gefolgeals Zeuge stellen konnte. Der Ourchlanchte H.Vater, erzählte er, habe den Fürsten absichtlichim strengsten Inkognito einem Apotheker zum Er-ziehe» anvertraut, damit er ohne die leiblichenund geistigen Giftmischereien des Hofs zu einemgesunden gewandten Honorazior grvßgebildetwürde. »Es ist von da aus, fuhr er fort, meinFreund, nur ein Katzensprung zu einem regie-renden Herrn,, indeß von einem Bauer, zu wel-chem wohl manche Romanschreiber, z- B. Wie-land', ihre Fürstenkinder lächerlich genug ver-puppen , ein gar zu langer Weg bis zu den Sitte»und Kenntnissen eines Regenten aufläuft. Undmit wem hat ein Fürst unmittelbar ein größeresVerkehr, mit Landvolk, oder mit Stadtvolk?Und doch, welche Sitten und Lagen —, bitt' ichSie ernstlich — kennt er wohl dürftiger', die derLandleute, die er so oft in der Feldarbeit, in derKirche, oder auf dem Markte sehen kann, odernicht vielmehr die versteckten Seiten der eingebau-ten Honorazivren, der Apotheker, der Rentamt-männer , der Spitalschreiber? — War es alsovom Fürstvater unklug gedacht, oder filzen Sieihn auch, wie so mancher meiner Bekannten, darü-ber aus, daß sein Sohn sogar die Apothekerkuust