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Kleine Buch erschau
gimente dagegen wehre», dar entweder Gang- oderHalt-Befehls bekommt; und er besitzt an den Leu-ten alle Rechtswvhlthaten und Gnadenmittel derUnentlchlüssigkeit. Klarissens Retter i» Richard-sons bestein Roman, der Lurch acht Bände hin«durch anS Italien her jedem versprochen wird, ist 'Vorbild und Flügelmann gedachten Regiments. !Es wird überhaupt zu wenig geschätzt, was sich ein !Dichter durch ähnliche ästhetische Jägerkünste an !Mühe und Kunst erspart. Ein Vetter — ein !Regiment — oder dergleichen Nothruber, frühvoran gezeigt, doch in die Ferne gestellt, rück- undvorwärts - beweglich und verschiebbar — drohendund versprechend — weg und da, wie der Dichterbefiehlt — dies find eben für den strengeren Dich-ter, der jeden Maschinen-Gott tief unter seinemKunst - Ideale findet, gerade die wahren Sie-benmeilenstiefeln und Wünschhsttlein, di? er auf-setzt und anzieht, sobald er nicht mehr weiter fortkau».
Schärfer wird die satirische Muse (besonders II,p, ai2.) in der Darstellung der feigen Allmälich-keit, wie der Lord von den Bräuten zweier Länderendlich zu der Braut des dritten, zu Lucile über-geht, gleichsam in den dritten Himmel oder zurdritten Instanz. In einen: ernsten Gemälde wär'es allerdings ein Fleck; dieses Einschleiern desweichen Unbcstandes in zusammengreifende Zufäl-ligkeiten, und am Ende gar in teS ehrwürdigenVaters Lodes-Bild — dieser Wechsel von suchen-der Aufmerksamkeit auf Lucilens Reize und vonbüßenden Erinnerungen an Corinna — diesesGleichschweben der moralischen Wagschalen, welcheder umherfliegende Blumen- und Schmetterling-staub wechselnd hebt und senkt — diese ngua lotäiui,deren augenblickliches Vergiften durch lauter will-kürlich berechnete Todes - Entfernungen zn verste-cken ist — diese Bodenlongkeit des Herzens istzwar der Tiefe unseres »erweichten, ästhetischen,sittenlosen, wächsernen Zeitalters angemessen, abernicht der Höhe der Dichtkunst. Sogar in Wil-helm Meister wird zuletzt das umspringende Lebendes Helden schaal; und (um herabzngehen) Schil-lings gift- und geistreiche Romane werden niewiderlicher und unsittlicher, als wenn sie eine hoheLiebe malen wollen, der man den Zufall ihresWerths und ihrer Dauer ansieht. Jede Entschie-denheit, eS sei zu»: Bestand oder zum Abfall, istsittlicher und poetischer zugleich, z. B. entwederein Scipio gegen die Schönheit, oder ein Romeo,der geradezu seine mürbe Liebe binopfert einerkräftig-aufblühenden. Unsere Dichterin würde,hätt' eS ihre komische Richtung verstattet, gewißden Lord, entweder geradezu, aus Liebe für den !Vater, oder aus der für Lucile, haben wählen las. lsen. Die angehäuften Motive reiben einander ,selber auf, oder zerstreuen sich ohne Brennpunkt, ^oder geben, da ihre Menge ihr Gewicht ersitzensoll, gerade als kleine Zufälligkeiten denselbenSchein der Willkür, dein sie vorbaue» wollen.Unsere Dichterin aber hat Recht; so scharf schnei-det sich der komische Ton ab vvm ernsten, ..Doch genug dieses Abschneidens! Rez. wäre nachder ersten Lesung des Kunstwerks schwerlich dieserMimik fähig gewesen; zumal da in neuern Wer-
ken (als Gegenscheinen der alten) die königlichenSchönheiten den Mangeln vortreten, bis sie spätersich ein wenig hinter ihr Gefolge zurückziehen.
— Die bloss Zeichnung der Charaktere (besondersdie der Stellvertreter dreier Länder) erhebt dieVerfasserin zur genialsten Dichterin in Deutsch-land, und zum genialsten Dichter in Frank-reich; daher ein gewisses gelehrtes Mitglied neu-lich ganz recht und fein sie vor Napoleon in derfranzösischen D:chter-Liste ansließ, da der Kaiser(nahm er an) gewiß sich dieser dichterischen Ein-zigperle von selber erinnerte, schon als der drittenals Geist ausgehenden Person aus einer genialenDreieinigkeit von Familie. Sogar den ruhigen,nur halbvollen Charakteren, wie des Prinzen vonCastel Forre, des allen Dickson, des Edgermond(sonst d:e schwersten zur Bezeichnung-, gibt sie einFünf-Punkten - Gesicht. So hat sie mit Goethedie Unparteiligkeit gegen Prosa - Geister gemein,und zieht diesen, die überall Federn haben, nurnicht an den Flügeln, nicht die kleinste aus. Un-sere jetzigen Flug-Romantiker, welche nichts gernachtend nachmalen, als wieder einen dichtendenCharakter, der sich dann wieder zum achtendenMalen eines Dritten hinsetzen könnte, sollten ihrdas Erschaffen, wenigstens das Vernichten abler-nen. Sie gebar den Engel Lucile (deren Schwe-ster heißt Göttin); gleichwohl zog ihr Lochdie helle Dichterin einige Schwungfedern inder Ehe aus, gleichsam um zu sagen, ein sanf-ter Südwestwind der Liebe wird in der Ehe leichtSturm.
Wenn einige Rez. mit Corinna's poetischer Ge-nialität ihr selbmörderisches Lieben unverträglichfanden, so waren sie weder mit den Weibern, nochmit den Dichterinnen sonderlich bekannt. — Aller-dings ists erlaubt, über geniale Weiber gedrucktund ehelich sehr Unrecht zu haben, da es deren bis-her viel zuwenig zu einer erschöpfende» Crfahrung-seelenkunde derselben gab. Aber Weiber gibts dochgenug; und an diesen hätte man erfahren können,daß die Liebe die Wurzel und Frucht ihres Wesenssei, welcher die reichsten Kräfte Nahrung nur rei-chen, nicht rauben, und welche entweder die Him-mel- oder die Erd-Achse ihres Treibens ist. Daherwird die geniale Jungfrau zum erstenmale durch-ans glühender lieben, und bis ins Unglück hinein,als eine schwächer ausgerüstete Natur — gilt diesja sogar für den genialen Jüngling — und allePfeile des Dichter-Gottes werden sich zu den an-dern Pfeilen in AmorS Köcher stecke». Gleich-wohl hatten die obigen Rezensenten Recht, so-bald sie vergaßen, daß Corinnens Liebe eigent-lich ihre erste rechte war, und noch dazu —was alles bei Weibern verstärkt — eine unglück-liche. Wäre sie nicht an ihrem Herzen gestorben,dann hätte später das Genie das Herz ersetzt undwiederholt, sie hätte leicht das Lieben auf Verlan-gen improvisirt und wäre blos aus Erinnerungwarn: gewesen im Schreiben und Leben. IhreLiebebriefe auf feinen: Asbest - Papier hättesie in jedem neuen Feuer schön vom vori-gen Inhalt gereinigt für frischen. — Usbri»gens ist einer Dichterin zu ihrem Himmelauf der Erde die Erde sehr nöthig, zur Dich-