Band 
IV.
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Kleine Bücher schau.

gelingt, nämlich wenn er sie nicht in seinem Na- jmen, sondern durch einen fremden Cbarakter aus- §spricht. So hat z. B. Wieland die Geschichie der iAbderiten ohne ächt-ironische Darsiehung überallda gegeben, wo er selber loben will; aber destorichtiger spricht er, wen» er die beiden Sykvphan-ter über den Eselschatlen reden läßt. Sogar derMeister Cervantes ironisiert in seiner Vorrede zumDonOuixote nicht so unverfälscht, als dieser in sei-nen Delbgesprächen. Die Ursache ist überall diese:preiset der römische Dichter in seinem eigene» Na-me», so schwebt ihm der Kontrast zwischen seiner ob-jektiven Aarstehung und zwischen subjektiverAnsichterschwerend vor: leiht er hingegen die ganze Ironienur der Zunge eines fremden Charakters, so hatsein eigner so wenig eine Subjektivität bei demironischen zu überwinden, als bei der Darstellungirgend einer unsittlichen, ihm ganz entgegenge-setzten. — Hingegen in entgegengesetzten Ver-hältnissen, wo der Dichter den Charakteren lyrischeAussxrüche zu geben hat, die seinen eignen aus-sprechen, wird er sie am besten reden, weinen, zür-nen lassen, wenn er sich nicht in ihre Lage versetzt, ^sondern in seine eigne, wofern er in ähnlicher ge.wesen, und wenn er sich vorspiegelt, er habe hierin seinem Namen sei» Glück oder Unglück vvrzu-malen.

Neuntes Programm.Ueber den Witz.

Z. 12. !

Das deutsche Gesetz der Sparsamkeitmit Witz.

Der Witz hat doch den Werth eines Funken,wenn auch keines Lichts; er verschönert doch eineMinute, wenn er auch kein Leben erleuchtet odererwärmt, und er braucht eben nicht, wie Bilderund Systeme, erst von der Wahrheit oder auch vonZusammenhang und Nachbarschaft den Gehalt zubolen. Oder sollen keine Feuerwerke, nur Werk- -feuer und Wärmfeuer zum Dienste der Hand und !der Haut zu haben sein? Ja, sagt der Deutsche; !denn an den Feuerwerken des Witzes kann ich nichts !schmieden, nichts braten, nichts härten, „ochschmelzen. Aber er bedenke drei Minuten lang,daß der Witz zu allen Dingen nütze ist, als Abbre- !viatvr und Epitvmator des Verstandes, besondersda, wo dieser eben allein zu reden hat. Daher suchtund zeigt den Witz der Franzose, der Britte inRezensionen, in öffentlichen Reden, Zeitungen.Davor schaudern Deutsche, ja nicht einmal ihrenan sich zu langweiligen Selberrettungen und Anti-kritiken, wo man sich und den andern ärgern will,nehmen sie durch Witz das Kalte, und Lurch Essig-räucherung den Leichengeruch solcher Geburten.Sie häufen lieber Phantasie am unrechten Orte,

! als Witz am reckten, lieber Bilder, als Salz, ob

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gleich Bilder durch ihren leichtern und häufigernFund weniger reizen, als Salz. — Doch einigenzeigen sie im heurigen Trauerspiel, wo er an sei-nem rechten Platze —daher sie ihn im Lustspielenicht anbringen — sieht, wen» die Tragödie jene,in den Schlegelschen Zeiten gefederte Höhe einesKunstwerkes erreichen will, den Menschen keineThränen auszupressen, sondern sie aufs Trockne zubringen, diese Kunstvollkommenkeit des Brant-weins, welcher angezündet verbrennen muß, ohneeinen Tropfen Wasser zu geben.

In den öffentliche» Reden und Verhandlungender Britten und Franzose» wohnt allerdings mehr iWitz, als in den deutschen, wo gar keiner vor- ;kommt, von Frankfurt an bis nach Wien; aber ;wie leicht ist dieszuerklären, schon Lurch die Kürze ^beider Sprachen, der englischen, die als Miterbin !der kurzen lateinischen, sogar noch durch Aussorache ^abkürzt, und der französischen, welche ihrer Stief- !mutier, der lateinischen, mit Feder und Zunge zu- ^gleich ins Kurze schneidet. Hingegen die deutsche !macht alles lang und des Ebenmaßes wegen breit, ilang in Wörtern, und breit in Worte». Daher sist es denn eben so erklärlich, als erfreulich, daß !die deutschen Staatsmänner von Frankfurt bis !Wien statt des Witzes eins Länge und Breite der !Mittheilung auf ihren Lippe» haben, daß sie mitdiesen wohl sich den nordwestlichen Amerika-nern (*) vergleichen können, die in der Unterlippe ;einen großen Holzlöffel oder auch Hvlzteller han- >gen haben. Mit diesem Löffel und auf diesem Tel- !ler tischen sie uns Deutschen auf. j

§. IS. ;

Die Rezensenten des neunten Pro- '

gramms. ^

Der Verfasser desselben glaubte in diesem Pro-gramm ordentlich etwas Erstes und Erschöpfendesüber die Witzarten vorgebracht zu haben; aberkein Rezensent dachte daran, es z» glauben oderzu läugnen, sondern ließ die Sache vorübergehen. :Nur einer merkte an, dergleichen schicke sich blos jin eine Rhetorik. Können die Leser nicht, denkensie, ihre Fische, wie die armen Ufer-Scholten dieihrigen, ganz ohne Salz genießen, besonders faule,die man stlber macht?

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Zehntes Programm. !

Ueber Charaktere. !

Z. i».

Ihre Seltenheit.

Es gibt allerdings noch einen und den andernRoman, und Lüstspieldichter, der an seinem Genie

(*) Langsdorts Bemerkungen auf einer Reise um dieWett. B. 2.

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