5
Mein keuchendes Thier, welches sich kaum noch aufden Füßen hielt, erinnerte mich zuerst daran, daß ich aufdiese Weise nicht bis an der Welt Ende reiten konnte,wie ich gern gemocht. In einer elenden Schenke lag icheinige Stunden still. Dann ging's weiter, rastlos weiter.Wohin, galt mir gleich; ich folgte den Wegweisern, ohnezu lesen, meinem Pferde, ohne zu lenken. Am drittenTage — die Nacht gönnte ich dem Thiere eine Ruhe, dieich nicht fand, nicht bedurfte, nicht wollte — klärte sichder Himmel auf, welcher bis jetzt sich unerschöpflich aus-geschüttet hatte. Ich hielt auf einer tüchtigen Anhöheeinen Augenblick still, um den mühsam hinanklimmendenGaul verschnaufen zu lassen. Die Sonne schien mir warmund tröstlich in das verwachte Gesicht, wie von selberglitt der schwere Mantel von den Schultern, ich sah mich,wie aus einem Fiebertraum erwachend, in der Gegend um.
Denke Dir ein enges Thal, Eckart, worüber einRegenbogen groß und glänzend ausgespannt ist. Auf denkahlen Bergrücken spielten seltsame, graue Lichter, währendin der Tiefe, aus der Mitte düsterer Tannen, einige zer-streute Hütten rauchten. Abendglocken dazu, und dasPochen, das Aufglühen ferner Hammerwerke, und imWalde hinter mir das Geläute einer grasenden Schas-heerde!
Eine lange Weile hielt ich droben und sah mit über-schwimmenden Augen in den Glast hinein. Wärest Duin dem Moment aus dem Busche gesprungen, ich würdeThränen gesunden haben, sie an Deiner Brust zu ver-bergen. So stand ich allein, aber wunderbar gestärkt undgetröstet, und ritt hinunter, stracks auf die nächsten Häuser