19
Meine Stimmung befriedigte sich nicht damit, einigeStufen von der geselligen Leiter hinabzusteigen und michim großen Haufen thatenlos, selbstbetäubt zu verlieren;mich ekelte alle Erdoberfläche sammt dem Gewürme, dassie bekreucht, in tiefster Seele an, und so klimmte ich denndie hundert und aber hundert Sprossen meiner Fahrthinab mit einer Inbrunst und Emsigkeit, wie niemalsein frommer Pilger die Schwellen des Vatikans hinange-rutscht ist. Nun lieg' ich nah' und fest am Herzen meinerGöttin, — Natur; diese Hände wühlen in ihren geheimstenReizen, dieses Auge schwelgt sich satt im Allerheiligsten,um dieses Ohr klingt und braust der ferne Chor ihrerunterirdischen Feierstimmen. Weiß ich doch kaum, woich anfangen soll, um Dir meine volle, aufjauchzendeGlückseligkeit so recht nahe an das mitempfindende Ge-müth zu legen!
Alter, schilt nicht über Fantasterei; nur jetzt nicht!Wenn ich schwärme, laß mich! Du hast gepredigtgegen meine Deklamationen, mit Gründen gestritten gegenGefühle, mit Thatsachen meinetwegen gegen Einbildung,mit der Wahrheit gegen die Poesie. Eckart, nun hat sichdas Blättlein gewendet: ich dichte nun nicht mehr inWorten, sondern in Werken ; wirst Du noch den Muthhaben, mir zu sagen: Armer Träumer, Du gehest irre?
Vier Wochen habe ich unthätig bei dem Obersteigerin Mariastein gesessen. Es war eine schöne, eine schwereZeit. Draußen rang das Frühjahr mit den letzten Massenund Schatten des Winters; in mir schoß aus vielen zer-rissenen und entgegengesetzten Stimmungen ein Plan empor,den der erste Augenblick nur wie einen Feuerbrand in
2 *