kleine Stadt ist schöner im Herbst und herbstlicherin ihrer Schönheit als Kassel. Der ehrliche alte Bouter-wek, antediluvianischer Aesthetiker der Georgia Augusta,welcher Personen und Orte durch Schlagworte zu charak-terisiren liebte, taufte Kassel: Tempel des Schweigens.Die vielen offenen, stillen, leeren Plätze der Oberneustadt,die langen Zeilen ihrer Hauptstraßen, die hochragenden,glatten Häuser zu beiden Seiten mit den hohlen Fenster-augen und ihren, wie Riesenstämme weißschimmerndenSäulen, sie bieten in der That einen feierlichen, tempel-artigen Anblick. Kommt die Nacht dazu, bleicher Mond-schein und brenzlicher Braunkohlenduft, der, wie Höhen-rauch aus der Haide, über dem Fuldathal lagert, so istdie Ähnlichkeit fertig. Der späte Wandler hört seineSchritte auf dem Pflaster und längs den verschlossenen,verschlafenen Häusern hohl wiederhallen und tritt un-willkürlich leise aus. Ein Tempel des Schweigens. DieAu. eine klassische Elegie, in Bäumen und Weihern ge-dichtet, ist „der alte, heilige, dichtbelaubte Hain" desTempels; dieselbe Au, von welcher Börne, der Schalk,erzählt, er habe bei einem Spaziergang ein Zweiweiß-
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