21
Das Grünseidene aber stand zu den dunklen Augen derJule recht hübsch.
Ich nahm den Vordersitz des Wagens ein, trotz allenhöflichen Gegenreden der Frau Kammer - Calculatorin,daß ich zuerst gekommen sei und zuerst mahlen müsse.Am Ende fügte sie sich mit einem unendlich huldreichenBlicke, setzte sich neben den im braunen Sonntagsrockeprangenden Gatten, und beide Eheleute nahmen Philippumzwischen sich.
Julchen aber und ich saßen vorne, und weil derWagen nur ein halbes Verdeck hatte, so mußte ich fort-während den Regenschirm über uns Beiden ausgespannthalten. Meine Lage war nicht die bequemste. Meineines Knie rieb sich an dem Strickbeutel der Frau Kammer-Calculatorin, der von verstohlenem Zwieback strotzte undauf das andere Bein hatte Philippus seine schmutzigenSchuhe gestemmt. Aber ich duldete heldenmüthig, —Julia's Augen waren sehr dunkel, sehr hübsch!
Rechts und links flogen Bäume, Häuser, Reiter,Wagen, Wandelnde bunt an uns vorüber. Der HerrKammer-Calculator bemühte sich, mir als einem Fremden— denn seine wackere Gattin hatte mir bereits wackerauf den Zahn gefühlt — die Namen der Ortschaften undGasthöse, auch die Notabilitäten der Vorüberfahrendengewissenhaft anzugeben. Ich verstand ihn aber vor demRasseln des Wagens nicht und zudem hatte ich mit demRegenschirm viel zu schaffen. „Jule," sagte die Mamaein Paar Mal unterwegs, „Du wirst dem Herrn beschwer-lich." Dann lugt' ich aber ehrbar unter der braunenSeidendecke heraus und sagte: „Bitte recht sehr, Frau