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Franz Dingelstedt's Sämmtliche Werke : Erste Gesammt-Ausgabe in 12 Bänden
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nichts träumen läßt, ein sehr gesunder Einfall des krankenMannes gewesen. Denn ber Lichte betrachtet: der feier-liche Sonntag, der gemeinblaue Montag, der strengeDienstag, der nichtssagende Mittwoch, der grobe Donners-tag, der zweideutige Samstag oder Sonnabend, richtigerSchabbes, sie insgesammt verdienen nicht, dem schönenFreitage die Schuhriemen aufzulösen, mag nun Freia, dieLiebesgöttin der alten Sage, oder Freiheit, die Weltseeleder neuen Zeit, Pathenstelle bei ihm vertreten haben.

Insonderheit gibt es unter den zweiundfünfzigFreitagen jedes Jahres einen, mit tiefem Sinn der stilleFreitag, oder der Freitag der Barmherzigkeit, Charfrcitaggeheißen, den vom Sankt Peters-Dom zu Rom bis in diedunkelste Dorfkirche die ganze Christenheit als ein Festtiefer, aber süßer Trauer und unverbrüchlichen Friedensfeiert. Mitfühlend hat ihn die Natur an die Schwelledes Frühlings gelegt; durch das Weiße Leichentuch, dassie in manchen Jahren auf diesen Tag noch fallen läßt,blickt bereits eine grüne Osterhoffnung; weil die Kirchen-glocken verstummt sind, läuten die ersten Schneeglöckleindie Auferstehung ein, und mitten in die schluchzende Todes-klageM86rsr6, äomino" schmettert himmelan ein vor-tröstliches Lerchenlied:Christ ist erstanden!"

Sei gegrüßt, stiller Freitag! Du bist mir von Jugendauf ein treuer Freund gewesen, mit dem ich die Kirchhöfelieber besucht habe, als mit dem Allerseelentage, wo siewimmeln von Sonntagsgästen wie die Bierhäuser, undgeräuschvoll sind wie ein Tanzboden. Diese altmodige undenrpfindsame Leidenschaft theilt freilich unser junges, überallund überausfrisches" Geschlecht nicht; es kennt den