Buch 
Franz Dingelstedt's Sämmtliche Werke : Erste Gesammt-Ausgabe in 12 Bänden
Entstehung
Seite
54
JPEG-Download
 

54

Sarge von Tannenholz auf den alten Kirchhof, SanctJakob geheißen, in das sogenannte Kassengewölbe. Derehrsamen Schneiderzunft war nach einem alten, Reihe-umgehenden Jnnungsrechte das Loos zugefallen, Schiller zubestatten; es mußte ihr durch ein Paar Freunde des Hausesabgekauft werden, die ihn sang- und klanglos aus derniederen Thüre des Häusleins an der Esplanade hinaus-trugen. Der große Unbekannte,in einen tiefen Mantelgehüllt", welcher bei so manchen Begräbnissen erscheint,fehlte auch an jenem Abend nicht; doch war es wederKarl August, noch Goethe, die Beide durch Abwesenheitund Krankheit ferngehalten wurden, sondern SchillersSchwager, Wolzogen, der sich dem kleinen Gefolge vonWeitem anschloß. Alles dies, bis auf die Tischlerrechnungfür den Sarg, die nach Vossens ausdrücklicher Bestellungnicht viel über drei Thaler betragen durfte, bewahrt unsStahr in scharfen, scheltenden Worten. Wir wollendarüber nicht mit ihm rechten; wenn er aber meint,ähnliche Ungebühr hätte sich nur in einem deutschen Kräh-winkel ereignen können und nicht in einer großen Stadt,so irrt er in dieser Annahme ebenso, wie in der klage-reichen Sammlung kleinstädtischer Züge und Feldzügegegen die lebenden Dichter. Das Jubelfest Mozarts hatin seinen aufgerührten Erinnerungen an des MeistersErdenwallen schlagend bewiesen, daß Wien bei der Leichen-feier für den Sänger des Don Juan nicht größer gewesen,als Weimar bei Schillers Begräbniß; Diesen sollten dieSchneider tragen, Jenen die Todtenbrüderschaft. MozartsGrab ist bis zur Stunde unbekannt; Schiller ward, nach-dem er zweiundzwanzig Jahre im Kassengewölbe geruht,