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Franz Dingelstedt's Sämmtliche Werke : Erste Gesammt-Ausgabe in 12 Bänden
Entstehung
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74
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Den 21. Mai.

III.

Von Bischofsheim, am Fuße des heiligen Kreuz-berges. Ich habe einen schwachen Anlauf gemacht, zuMittag zu speisen. Nun bleibt mir noch eine Stunde,ehe mein Führer mich zur Wanderung in das Klosterdroben abruft.

Denke Dir unter diesem Führer kein polizirtes Wesen,das sein Blechschild mit Nummer sechzehn an den Hutschnallt, wie Freund Hase in Pillnitz that, und Dir einBuch vorlegt, worin Berliner Judenmädchen über denKuhstall geschwärmt und Göttinger Studiosen Witze ab-gesetzt haben. Erscheint heute früh, nach sieben Uhr, einkleines, behendes Männlein mit einem ungeheuren Hundean seiner Seite, und stellt sich mir als berufenen Cice-rone vor. Auf meine Anfrage, ob er auch Wohl Bescheidwisse in dem Gebirge, entgegnet er mir, in tiefstem Ehr-gefühl gekränkt:Ach, lieber Herr, ich hab' schon somanches Stück Vieh über die hohe Rhön gebracht!"Das beruhigte mich über mein Schicksal unter seinenHänden völlig. Mit dem Vieh hatte es übrigens seineRichtigkeit; Franz war Metzger, sein Hund ein echterFleischerhund, der aus einem komischen Zusammentreffenauch Franz heißen mußte. Das kluge Thier behandeltemich, ehe wir vertraut mit einander wurden, ganz wieeinen Rhönhammel von jenen berühmten; keinen Schrittdurfte ich seitwärts machen, sonst klaffte er gebieterischhinter mir drein.