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Franz Dingelstedt's Sämmtliche Werke : Erste Gesammt-Ausgabe in 12 Bänden
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Indem ich von Freiligrath Abschied nehme, werdeich ein ^zusammenfassendes Urtheil über seine Dichtungen.nicht abzugeben brauchen; habe ich es doch schon am Ein-gänge meines ihm gewidmeten Essays ausgesprochen, daßihm seine Stelle in der Geschichte der deutschen National-Literatur bei Lebzeiten bereits gesichert und sür alle Zeitenbewahrt bleibt. Seinem Ruhme thut es in meinen Augenkeinen Abbruch, daß er nur als Lyriker gekrönt wordenist. Die Lyrik war von jeher und ist noch heutzutagedie populärste Gattung der deutschen Poesie, sogar indiesem Betracht dem Drama überlegen (mit einziger Aus-nahme der Klassiker) und bei weitem (ohne diese Ausnahme)dem Roman. Wohl aber drängt es mich, über dasjenigeFeld der Lyrik, auf welchem er zuletzt gewirkt hat, überdie politische Lyrik, noch ein Wort zu sagen. VerschiedeneKritiker und Literatur-Historiker haben ihr zwar längsteinen Todtenschein in bester Form geschrieben. Anno 1848soll sie gestorben und christlich begraben worden sein. Ichgestehe, daß ich an ihren Tod nicht glaube. Die politischeLyrik, die politische Poesie überhaupt hat in Deutschlandnoch ein langes, neues Leben, eine wichtige Sendung vorsich. Was in dem Lustrum von 1841 bis 1846 von ihrgesehen und gehört worden ist, fasse ich nur als ein Vor-spiel ihrer Wirksamkeit auf, wie sie denn auch in ihrenAnsängen entschieden weiter zurückreicht, als in diese ver-hältnißmäßig noch so nahe Zeit. Bis zur mittelhoch-deutschen Lyrik will ich ihre Fährte zwar nicht verfolgen,obwohl Jedermann weiß, welche reizenden politischenLieder Walther von der Vogelweide gesungen. Alleinerinnern muß ich daran, daß unsere zeitgenössische politische