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süß, Baldrianchen. Rächen wir Euch. Seht einmalnach, was Ihr auf Lager habt." — Der Agent zog eineBrieftasche heraus, die mehr Sack als Tasche heißendurfte, so strotzte sie von Briesen. Rechnungen, Zeitungs-blättern, Telegrammen, Photographischen Porträts, Rollen-Verzeichnissen u. s. w. Er öffnete seinen Sklavenmarkt.„Von Johannis ab disponibel," las er, „Frau Deubel-Fitzinger, das erste tragische Talent der Gegenwart." —„Wohl schon mehr Vergangenheit, Baldrianchen?" —„Unsinn! Dreißig Jahre alt, Augen wie Minerva, eineBüste wie Juno, gewachsen wie die Venus Kallipygos.Famoses Repertoire. Alle classischen Rollen. Kein Hos-theater besitzt eine Jungfrau, die ihr nur das Wasserreichte." — „Was thu' ich in Anklam mit der Jungfrau?Ich brauche eine muntere Liebhaberin, Spieltenor, Natur-burschen. vor Allem eine Soubrette für Oper und Ge-sangsposfe." — „Wißt Ihr was? Nehmt die Mintschka;ein reizender Balg, achtzehn Jahre alt, den Satan imLeibe. Studirt in allen Offenbach'schen Opern. Spielte dieschöne Helena in Mona zehn Male mit aufgehobenem". . .— „Abonnement?" — „Nein, Peplon." — Nachdem dieBiedermänner eine Minute lang über den köstlichen Witzgelacht hatten, daß ihre Bäuchlein wackelten, fuhr derDirectorfort: „Sans Spaß! Könnt Ihr mir dieMintschkaliefern? Und nicht zu theuer?" Um ein Spottgeld.Sie ist schwer anzubringen, weil kein Director es langemit ihr aushält. Ihrem vorletzten, Heumeister in Torgau,hat sie auf offener Scene eine Ohrfeige gegeben." —„Was that Heumeister darauf?" — „Er entließ sie." —„O Heupferd! Drei Monatsgagen Strafe hätte ich ihr an-