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die Sündfluth. Er kündigte dieselbe, mit ebenso viel Be-scheidenheit als Sehergabe, als das absolute Kunstwerkder Zukunft an. Der Meister der Schule, die vom„Wagen" den Namen führt, ist darin bereits meilenweitüberflügelt; er liegt tief unten und hinten, ein über-wundener Standpunkt. Ebenso find alle Grenzen undFormen der Kunst siegreich niedergeworfen. Die Sünd-fluth ist weder Oratorium, noch symphonische Dichtung;noch weniger kann und will sie für ein musikalischesDrama gelten. „Musik gewordene Weltgeschichte" wäredie etwa einzige, treffende Bezeichnung für das Werk.Zur AuMhrung bedarf der „Schöpfer" eines Theatersvon der Größe und Einrichtung des altrömischen CircusMaximus; der eine Halbkreis wird für die Zuschauer,der andere für das Orchester bestimmt, während in derMitte die Sänger und Darsteller ihren Platz haben.Wie die Schauspiele der Hellenen beginnt das Werk mitSonnenaufgang, unter freiem Himmel, und endet, nachden nothwendigen Pausen, um Mitternacht bei bedecktemRaume. Von der Mysterienbühne des christlichen Mittel-alters borgt es die Dreitheilung des Schauplatzes, Himmel,Erde, Hölle; von der Neuzeit alle Wunder der Malerei,des Kostümes und der Maschinenkunde. Dasselbe zerfälltin sieben Theile, wie denn die mystische Zahl Sieben(sieben Schöpfungstage oder Epochen, sieben Farben desRegenbogens u. s. w.) in Septimen-Accorden sinnig durchdas Ganze klingt. Idyllisch ist der Anfang: Erwachender Natur bei Sonnenaufgang. Eine Heerde Kühe mitGlocken — die kein Anachronismus sind, da Tubalkaindas Erz bereits erfunden — ein Zug Kameele wird über