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geien, sie blieben unerwidert. Die Amazone klagte, mehrsich selbst als ihren Getreuen, die Verlassenheit und Hülf-losigkeit ihrer Lage. Die Heldin, welche, einen Augenblickvorher, alle ihre Feinde und Freunde mit eigener Krastaus dem Felde geschlagen hatte, geberdete sich nicht anders,als wäre sie ein schwaches, erbarmenswerthes Kind.Signor Beppo bemerkte ihr dies beim Einschenken.„Signora haben," so sagte er mit feierlichem Ernst, „sichselbst geholfen, besser und tapferer, als es der stärksteMann vermöchte." — „Das heißt, ich war wieder einmalrecht heftig." — „Zuporba," rief Beppo mit komischerEmphase aus. — „Ueber diese verwünschte Leidenschaft-lichkeit, die ich niemals werde bezwingen lernen! Siemacht mich unausstehlich für Andere, unglücklich in mirselbst. Daß ich ein Mittel wüßte, mich zu zähmen, eineHand, die mich zurückhielte, einen Mann, dem ich michunterwerfen könnte, — einen . . . Meister!" —
Sie nahm, in Gedanken verloren, ein Blatt vonihrem Nachttisch, ein Billet, dessen Siegel ein Wappenmit der Grafenkrone trug. Gestern Abend spät, nach demConcert, war es abgegeben worden. Wallenberg kündigteihr darin auf heute Mittag seinen Besuch an, in wich-tigen Angelegenheiten. Errieth sie die letzteren, oder nicht?Von den zahlreichen Briefen und Karten, die eingelaufen,beschäftigte sie sich nur mit dem einen, kleinen, bereitsgelesenen Billet. Sie studirte die zierliche Handschrift, diefast einer weiblichen glich, das Wappen, den Stempel;sie rollte das starke Papier, hellblau mit Silberrand, umihre Finger. „Es sind seine Farben, WallenbergsFarben," sagte sie, „und die meinen: blau und weiß."