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Franz Dingelstedt's Sämmtliche Werke : Erste Gesammt-Ausgabe in 12 Bänden
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nächstens mein vierzigstes Wiegenfest."Das besteAlter des Mannes."Sehr verbunden. So sagt manihm zum Troste, nachdem das gute Alter vorüber ist. Ichbin erzogen gleich den Meisten meines Standes: durchdas Leben; nachdem mir ein schlechter Hauslehrer vondem Wenigen, das er wußte, das Wenigste beigebrachthatte. Der zweite Sohn einer alten und reichen, aberauch zahlreichen Familie, trat ich in die Diplomatie, wiemeine jüngeren Brüder in die Armee, die Marine, dieKirche. So lange der ältere, der Majoratsherr, meineSchulden bezahlte, habe ich gehörig welche gemacht. DieWucherer aller europäischen Hauptstädte kennen meineUnterschrift. Seit weder sie, noch mein Bruder mir mehrborgen, fange ich an, mich zu rangiren. Zwar steht meineBilanz noch nicht so günstig und fest, daß ein vorsichtigerHausvater, wie Papa Krafft, mir aus mein ehrliches Ge-sicht unbeschränkten Credit geben würde, aber ich habemich doch aus dem Gröbsten herausgearbeitet. Eine solideEhe wird mich ganz und gar auf festen Grund und Bodenstellen, zu geschweigen davon, daß sie auch meinem Hofewohlgefällig ist, der ungern sieht, wenn seine Vertreterunbeweibt sind und kein Haus machen. Das meinige istungastlich genug. Nur um den nächsten geselligen Ver-pflichtungen zu genügen, lasse ich alljährlich zur Carnevals-zeit meine Schwester, Aebtissin des Stiftes zu Kalten-münster, auf Besuch kommen. Sie dirigirt meine kleinenHausbälle wie ihre Kapitel-Sitzungen mit finsterem Ernst.Bei meinen Gar^on-Diners verschwindet sie, ehe der Kaffeeerscheint, weil ihr die Cigarre ein Gräuel ist. Kurz,meine Junggesellen-Wirthschaft läßt Anderen viel, mir