Buch 
Franz Dingelstedt's Sämmtliche Werke : Erste Gesammt-Ausgabe in 12 Bänden
Entstehung
Seite
217
JPEG-Download
 

217

Fassung, also keine Hoffnung? Um Himmels willen,nur in dieser Stunde nichts von diplomatischen Aus-flüchten und Abschweifungen!"Die außerordentlichstenDinge haben sich zugetragen, Roland; Mährchen ausTausend und eine Nacht, an die ich nicht glauben würde,hätte ich nicht mit eigenen Ohren gehört, mit eigenenAugen gesehen. Der Schleier, der über SeraphinensVergangenheit lag, ist gelüftet. Ich weiß nicht, ob ichIhnen jetzt schon alles mittheilen darf. Erfahren Siewenigstens so viel, daß sie von hoher Familie stammt."Das hat sie Ihnen anvertraut? Mir verschwieg siees, Jahre lang; mir, ihrem Freund, ihrem Bruder.Freilich, wenn sie eine vornehme Dame ist, steht ihr derEavalier näher, als der Künstler."Halten Sie ein,Roland, Seraphim ist ein Engel."Das war sie, auchehe sie Ihresgleichen wurde, Herr Graf."Sie sindbitter und ungerecht. Ich werde schweigen, bis Sie sichgesammelt haben."

Nach einer schweren Pause, während deren Beide,jeder in seine eigenen Gedanken verloren, stumm nebeneinander gesessen hatten, begann Roland wieder mit er-zwungen ruhigem Tone:Vergeben Sie meiner Bestürzung,Wallenberg, und meinem Schmerz. Ich ahne alles. LassenSie mich wissen, was ich wissen darf, wissen muß."Hieraus erzählte der Gras mit Weglassung der Namenund der Einzelnheiten, was ihm die Sängerin mitgetheilthatte, wohlweislich beim Ende ansaugend, mit ihrerJugendgeschichte. Er baute eine Brandmauer auf zwischenihr und Roland, welche dieser mit jedem Wort um einenStein wachsen sah. Dabei schwoll dem Bauernsohn aus