243
Dienste des nächsten Rittergutsbesitzers. SiebenzehnJahre alt, war ich Großknecht bei ihm; er hatte Ver-trauen zu mir, als zu einem nüchternen, ernsten, spar-samen Burschen, den man auf keinem Tanzboden, keinerKirchweih, hingegen mit Sonnenaufgang hinter demPflug und in tiefer Nacht noch in den Ställen fand.Zur Zeit des Wollmarkts in der großen, drei Tagereisenvom Gut entfernten Handelsstadt, den wir alljährlich imMonat Juni mit unserer Wolle besuchten, fügte es sicheinmal, daß der Herr krank darniederlag und selbst nichtverkaufen konnte, wie er Pflegte. Der Jnspector war, ebender Krankheit wegen, unentbehrlich. Ich erbot mich, zugehen. Mein Baron schickte mich, nach einigem Besinnen,ab, mit der Ordre, zu demselben Preise wie voriges Jahrabzugeben, acht Thaler per Stein Mittelwolle. Mitmeinen hochbepackten Wagen, einem ganzen Zuge, fuhrich davon. Einige Meilen diesseits der Stadt stieg ichab, mir die Füße ein wenig zu vertreten, und ging —in den nämlichen Stiefeln, die Sie dort sehen — dendurch den Sand langsam folgenden Wagen eine tüchtigeStrecke voraus. Ich kam an einen Krug, einsam an derLandstraße gelegen, als Ausspann für Fuhrleute. Vorder Thür stand eine Bank. Müde und erhitzt ließ ichmich nieder und labte mich an einem Glase Weißbier,über welches zahllose Fliegen, noch durstiger als ich, her-fielen. In der Gaststube drinnen, deren Fenster offenstanden, unterhielten sich ein paar Fremde und zwar so,daß ich jedes Wort vernahm. Der Name meines Herrnfiel in das Gespräch, worauf ich die Ohren noch höherspitzte. Die eine von den redenden Stimmen kam mir
16 *