Buch 
Franz Dingelstedt's Sämmtliche Werke : Erste Gesammt-Ausgabe in 12 Bänden
Entstehung
Seite
247
JPEG-Download
 

247

Eine lehrreiche Geschichte," sagte Roland nachdenk-lich, als Herr Krafft schwieg;lehrreich ^besonders des-wegen, weil sie aus demselben Strohsack endigt, mitwelchem sie begonnen."Was wollen Sie?" versetzteder Millionär.Zuletzt ist der Wollsack im englischenParlament auch kein Lotterbett voll Eiderdaunen, undder Thron, der höchste aller menschlichen Sitze, bleibt einunbequemes Stück Möbel, je massiver, desto härter,mögen sie ihn mit noch so weichen absolutistischen Polsternzudecken, oder aus die sanftesten constitutionellen Schaukel-süße stellen."Sie sollen Recht haben, Herr Krafft,jedoch auch mir Recht geben, wenn ich sage: der Menschwird für seinen Beruf geboren; Selbstwahl und Er-ziehung bestimmen denselben nicht. Den Künstler machenSie nicht zum Kaufmann, so wenig, wie Sie, der Kauf-mann, zum Landwirth zu machen waren."

Herr Krafft wollte antworten, wurde aber abgehaltendurch eine eilige Meldung des Herrn Heyboldt, erstenProcuristen, der in das Comptoir trat: nicht eine ver-altete Komödien-Figur mit Schnallenschuhen, in grobwollenen Strümpfen, Sammethosen und einem lang-schößigen Ueberrock, den Jabot voll Schnupftabak undeine Gänsefeder hinter dem komisch beweglichen Ohr,sondern ein ganz seiner Mann, nach dem neuesten Schnittund schwarz gekleidet, die Rettungsmedaille im Knopflochund mit einem ernsten, ausdrucksvollen Kops. Er warHauseigenthümer, Mitglied des Stadtraths und Land-Wehr-Hauptmann; der goldene Schaupfennig und dasfarbige Bändlein auf seiner linken Brust erzählten, daßer in der Schwimm- und Badeanstalt mit Gefahr seines