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erwiderte ihre Liebkosungen und sprach, die Hand Sera-phinens an ihre Lippen ziehend: „Ich verstehe DeinHerz, Du liebe Schwester. Glaube mir, ich verstehe esganz. Du bist, in viel höherem Grade als ich, desMeisters, seiner Liebe und seines Besitzes würdig, bistihm ebenbürtig an Geist, in der Kunst wahlverwandt."— „Ich?" rief Seraphim aus. „Roland denkt nichtan mich, wenigstens nicht anders, als man an einenguten Kameraden, einen Jugendfreund aus der Schulzeitdenkt. Und wie könnte ich mit meiner unseligen Heftig-keit, meinen Launen und Unarten ihn, oder überhaupteinen Mann beglücken? Nein, Wallenberg hat Recht,wenn er den Satz ausstellt: Künstler taugen nicht zurEhe. Will ich einmal heirathen, so muß ich der Bühneentsagen und nicht in stiller Häuslichkeit oder in einemHerzensbündniß, sondern in einer Partie aus der großenWelt mein Glück suchen." — „Ueber den untrüglichenMenschen- und Herzenskenner! Hat er nicht auch DirDeinen Zukünftigen sofort bestimmt, wie mir?" — Se-raphim lachte und erröthete doch zugleich, als sie ant-wortete: „Kind, das ist eine Geschichte für sich, undzwar eine recht thörichte." — „Du machst mich neu-gierig." — „Wahrlich, ohne Grund." — „Ein halbesVertrauen, ein Geheimniß unter Schwestern? Ich werdeböse." — „Weiß ich doch selbst kaum, wie es geschehenist, daß ich zu Wallenberg, als er heute Morgen bei mirwar, von längst vergangenen und vergessenen Dingensprach; von Dingen, über die seit Jahr und Tag man-cher Tropfen Wassers dahingeflossen ist, die ich ruhigunter dem Wasser hätte liegen lassen sollen." — „Er
Dingelstedt's Werke. VI. 18