Buch 
Aus meinem Bühnenleben : Erinnerungen / von Karoline Bauer ; herausgegeben von Arnold Wellmer
Entstehung
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Mara die weltberühmte Mara, für welche die Mutter einenschönen Dukaten bezahlt hatte, vor mir sah! Ein kleines ver-wittertes Mütterchen mit langen grauen Locken, mit buntenBändern, Federn und glitzernden Schmncksachen gar wunderlichaufgeputzt, ein Notenblatt in den gekrümmten Händen, trat vorund knirte so recht altmodisch, wofür Herr Richard uns sichereinen Tick mit dem Fidclbogen applicirt haben würde . . . Alsaber dies Großmütterchcn den runzelvollen Mund öffnete undmit der glockenreinsten, wundertönigsten Stimme sang:

»Blühe liebes Veilchen . . . «

und dann dazu wie eill Vogel die Variationen flötete undtrillerte so perlend rein und leicht und rund, wie ich nieeinen Triller gehört habe-da hielt ich die Mara wahr-

haftig für eine Zauberin.

Den Karlsruhern mußte es wohl eben so ergehen. Siesaßen lange stumm da und sahen sich verwundert an und schüt-telten die Köpfe, als könnten sie gar nicht glauben, was sie dasahen und zugleich hörten. Dann aber brach ein so gewaltigerund anhaltender Beifallsturm los, als müßte das Haus zu-sammenbrechen.

Die Mara war damals 72 Fahre alt. Ich bin ihr leidernie wieder begegnet. Als ich aber 1828 meine erste Kunstreisedurch Rußland machte und später in Petersburg engagirt war,erkundigte ich mich oft und lebhaft nach der unvergeßlichenZauberin in Tönen, die seit Fahren still und müde in Nevallebte. Da hörte ich denn von einem Ohrenzeugen, daß dieachtzigjährige Mara noch in einem Concert gesungen und sichden wunderbar seelenvollen Ton und die seltene Keh'lfcrtigkeitbewahrt habe. Fa, in kleinem Kreise mache es ihr Spaß, dieschwierigsten Violin-Concerte von: Blatt zu singen und dann zusagen: »Kinder, wer macht der alten Mara das nach? Undwie viel Wesens haben die Undankbaren dort draußen von ihrerCatalani gemacht, als ob sie nie die Mara gehört hätten!«