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rund, so starr — um den Mund und die zusammengepreßtenKinnladen jener harte Zug äußerster Anstrengung — gewaltigwölbt sich die Brust vor — der kleine energische Fuß ist auf denBoden gestemmt, wie eingewurzelt . . . eine griechische Karya-tide! . . . Ein Zucken rieselt durch die weiße Marmorgestalt —und eine andere Gebälkträgerin steht da — in anderer Haltung,mit anderen Gesichtszügen . . . um sogleich wieder einer neuenTochter der Stadt Karyä Platz zu machen. Und alle Karya-tiden sind gleich schön, gleich edel, gleich wahr!
Auf marmornem Piedestal steht eine wunderschöne weißeMädchengestalt, ein ahnungsvolles Träumen über die lieblichenZüge ausgegossen — Galatea! Daß doch dies holde Steinbildwarmes, blühendes Leben würde! ... O Wunder! Wie Früh-liugsrauschen über den schlummernden Wald und die erstarrtenQuellen, zittert es über den kalten Stein. Langsam gewinntder Marmorleib warmes belebendes Blut, das Auge Glanzund Glut, der Mund ein Lächeln, — die Arme breiten sichsehnsuchtsvoll aus — der Fuß steigt erst zagend, dann freudignieder von dem Piedestal . . . Fm überströmenden Lebensglücksinkt Galatea ihrem Schöpfer Pygmalion an die Brust! —
Das ist Psyche! Die liebreizendste Königstochter, daßselbst Venus eifersüchtig auf sie wird . . . Jetzt: Psyche, dieTrauernde, Einsame, verbannt auf den Gipfel eines wüstenBerges ... Psyche, die Glückliche, von Amor geliebt... Psyche,die Neugierige, mit der Lampe in der Hand den schlummerndenGott der Liebe betrachtend. Mit welch reizendem naiven Aus-druck legt sie den Zeigefinger prüfend an die Spitze von AmorsPfeil! . . . Weh! ein Tropfen heißes Qel fällt dem schönenLiebesgott auf die Schulter — er erwacht und . . . muß dasungehorsame Menschenkind fliehen. Arme Psyche! — Ruhelos,angstvoll sucht die Verlassene den holden Geliebten auf Erdenund im Olymp .. . Als Sklavin der zürnenden Venus erliegtsie fast Meter der Last der ihr auferlegten Arbeiten. Doch Amorhilft ihr. Die Liebe überwindet Alles. Nur nicht die Ncugierde