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Aus meinem Bühnenleben : Erinnerungen / von Karoline Bauer ; herausgegeben von Arnold Wellmer
Entstehung
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Locken und tiefblauen Augen intcressirtc, seit ich über ihr trau-rigstes Geschick Einiges gehört hatte und gereift genug war,darüber nachzudenken!

Schon als elfjährige Prinzessin war Friederike von Badenzugleich mit ihrer älteren Schwester, der späteren Kaiserin Eli-sabeth, 1792 an den Hof Catharina II. nach Petersburg ge-kommen. Die Zarin vermälte Elisabeth ihrem Enkel Alexanderund bestimmte Friederike für Constantin. Die kleine Prinzessinweinte aber stets bitterlich und zitterte an allen Gliedern, wennder wilde Constantin sich ihr in seiner rohen Weise zärtlichnäherte, daß Catharina das »badische Gänschen« schon nacheinem Fahre zurücksandte und für Constantin eine CobnrgischePrinzessin als Braut kommen ließ. Mit 16 Fahren wurdeFriederike die Gemalin des jungen Königs Gustav IV. vonSchweden, für den Anckarströms Kugel auf jenem Maskenbälleden Thron leer gemacht hatte.

Aber König Gustav war ein unglücklicher Charakter:starr, abergläubisch, voll Sonderbarkeiten und fixer Fdeen undvon der Unfehlbarkeit und Allmacht seines souveränen König-thums krankhaft durchdrungen. Um so empfindlicher mußteihn den legitimen König der Schlag treffen, als ihn am13. März 1809 eine Verschwörung in Stockholm gefangennahm und fünfzehn Tage später seine unglückliche Mutter, dieverwitwete Königin Sophia Magdalena, ihm in dem Gefäng-nißschlossc Gripsholm weinend das Bekenntniß machte: Du bistnicht der Sohn Gustav III. kein legitimer König von Schwe-den. Entsage freiwillig dem Throne, ehe die Neichsständeöffentlich Deiner Mutter Schuld anssprcchcn.

Am andern Tage unterschrieb Gustav Adolf IV. die Ab-dankungsurkunde. Erst im December wurde die königliche Fa-milie aus der Haft des Schlosses Gripsholm entlassen und unterBedeckung und im strengsten Geheimniß nach Deutschland ge-führt, der zehnjährige Kronprinz Gustav sogar gesondert, vonEltern und Geschwistern.