Buch 
Aus meinem Bühnenleben : Erinnerungen / von Karoline Bauer ; herausgegeben von Arnold Wellmer
Entstehung
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Baden. Abends stand ich dann wohl mit andern Badegästenunter den offenen Fenstern der herzoglichen Wohnung undlauschte, wie Herzog Eugen mit angenehmer Stimme das»iLartant poiie In 8^rie« und andere Romanzen stillerSchwester Hortense sang.

An Baden-Baden knüpft sich mir auch ein geflügeltesWort, das ich noch heute zuweilen zum Ergötzen meiner Freundemit dem Beiwerk mimisch-plastischer, komisch-drastischer Dar-stellung zum Besten geben muß. All der sür mich so über-köstlichen, reichbesetzten taills ll'lrota des »Zähringer Hofes«saß uns gegenüber die reiche, fette Madame Hirsch mit einemeigenthümlichen Froschgesicht roth wie eine Ranunkel, ewigschwitzend, das schwarze Haar fest an die Schläfen geklebt,essend für Vier, dabei schlingend, als wenn der LaubfroschFliegen schnappt, unerschöpflich raisonnirend über »das Fraß«und die Kellner kommandirend, kurzathmig wie eine ausgeleierteDrehorgel und aufs Tiefste durchdrungen von ihrer Wichtigkeitund ihren Huuderttausenden. Ich liebte Madame Hirsch nicht.Ja, ich fühlte, wenn ich Kellner vom Zähringer Hose wäre,ich würde Madame Hirsch mit der ganzen Glut einer mal-trätirten Kellnerseele hassen können. Sie wäre »mein ersterHaß« gewesen.

Eines Mittags hatte der Nimmersatt scholl zweimal diePlatte mit Entenbraten auf ihren Teller geleert und mit er-staunlicher Geschwindigkeit hinabgeschnappt, da quäkte schonwieder die fette Stimme laut durch den Saal: »Ente will i!Ente!«

Der Kellner springt mit eurer Platte voll Kalbsbratenherbei, entschuldigend, daß keine Eilte mehr vorhanden. Vollsittlichster Entrüstung stößt Madame die Platte zurück, ihrGesicht entflammt zur »Brennenden Liebe«, die Froschaugenquellen noch runder vor und immer lauter immer fetterquäkt es Kellner und Wirth an: »Ente En te will i!« bis meine Lachlust losplatzt und mit mir die ganze Tafel-