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Aus meinem Bühnenleben : Erinnerungen / von Karoline Bauer ; herausgegeben von Arnold Wellmer
Entstehung
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Nun Rollen-Vertheilung! Größte Aufregung in derganzen Pension. In dem ersten Stück wurde mir ein ziemlichunbedeutender Bauernbursche in weißen Höschen, schwarzemSammtjäckchen mit silbernen Knöpfen und Strohhut mitblauem Bande zu Theil. Ich durste nicht übermäßig stolz ausdiese Rolle sein. Aber sie war doch immer besser, als gar keine.

Die reizende Rosisre erhielt meine liebste Freundin, dieholde Mrginie, zucrtheilt. Ich sagte mir immerfort: Virginicwird sicher das würdigste Rosenmädchen sein! Ich gönnte ihrdiesen Triumph auch von Herzen aber ein heimlich Thränleinhabe ich doch geweint um diese schöne, liebenswürdige und o!so unerhört tugendhafte mir Verlorne Rosisre.

Nsi-s Elsuisvs mußte nothwendig unsere robuste alter-thümliche Pensions-Seniorin, eine Genferin mit der geschwätzig-steil Zunge und den bäurischsten Manieren spielen proxtsrlmi'lmin st statui'nin!' wie Bruder Louis sagte.

Nais Nr. 1s surs wer sollte den alten ehrwürdigeilPfarrer mit den schneeweißen Haaren, Schnallenschuhen, langenschwarzen Wollenstrümpfen und noch längeren salbungsvollenPhrasen spielen?

Miß Luce Thomkins!

dToslün»! Miß Luce weist den Curs voll Entrüstungzurück. Na sllsrs insrs. habe ihr auf das Strengste verboten,jemals ihre keuschen Lippen durch das Wort sulotts zu be-stecken und nun solle sie gar uns sulotts anziehen? »Nor-ridls! llanmis! llainais!«

Und auch keine Andere von den Mitschülerinnen wollteden alten weißhaarigen Pfarrer spielen. Ja, wenn er nochjung und hübsch wäre!

Da bat ich denn: »Mademoiselle, geben Sie mir nochden guten Cnrs ich bin ja doch scholl für den Abend unn-aryon! Ich will mir auch die größte Mühe geben, recht altund würdig auszusehen!«