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auch mutterlos. Auf einem Bauerwagen — auf der Landstraßezwischen Basel und Hausen — stirbt die kranke Mutter in denArmen ihres Peter. Der gibt der Leiche weinend das Geleitbis an die öde Hütte — bis an das traurige Grab . . . Wieweit, wie hart, wie reich an Demüthigungen und Dornen istfür die Waise der Weg von diesem Grabe — bis zum Karls-ruher Prälatenstuhl! Kindliches Gottvertrauen, Reinheit undHeiterkeit der Seele und die Gottesgabe der lautersten Poesiesind ihm Führer und Stab.
Der Gymnasiast muß das oft bittere Brod des Freitischesessen, der Student Stunden geben und doch oft hungrig zuBett gehu. Wie sauer wird es dem Vicar und Aushülfslehrerzu Lörrach, die ersten 40 Gulden zu ersparen — zu einerSchweizerreise! lind wie macht der junge unerfahrene Wan-dersmann es mit der Kasse, daß er auch mit Ehren wieder nachHause kommen kann? Er steckt 20 Gulden in die rechte und 20in die linke Westentasche — und mit Gott geht's fröhlich hinausiu die herrliche Schweizerwelt ... bis mitten auf dem ZugerSee die eine Westentasche leer wird. Da kehrt der Wandrerflugs um, so schwer ihm auch der Abschied von der Schweiz wird.
Wie herzlich konnte der Prälat lachen über die verdutztenGesichter der Karlsruher, als der Phrenolog Gall ihrem ehr-samen Subdiaconus Hebel nach seinem Schädel einen »wohl-ausgeprägten Dicbssinn« auf den Kopf zusagt! Bald aber.wurde er gar ernst: Und doch, Kinderle, hatte der gelehrteSchädelniann nicht so ganz Unrecht. Der Diebssinn lag aller-dings in dem Hirn des armen Büble. Wie oft ist es heimlichauf die Kirschen- und Zwetschenbäume des Herrn Pfarrerszum Naschen geklettert — aber das Mütterli hat ihm mit festerund treuer Hand das Diebsunkraut nach und nach aus deinSchädel gezupft. Gott gesegne es ihr noch im Grabe!
Und als dann 1801 die alemannischen Gedichte erscheinen— da denken die Wiesenthaler: das städtisch vornehm gewordenePeterle wolle sie und- ihre bäurische Sprache und gemeinen