Buch 
Aus meinem Bühnenleben : Erinnerungen / von Karoline Bauer ; herausgegeben von Arnold Wellmer
Entstehung
JPEG-Download
 

322

Und nun von den Bällen. Einer der hübschesten war derbeim General Herwarth/ ein lieber alter Herr, seine Gemalindie Sanstmuth selbst. Beide sind noch gar nicht von den Ge-brechen des Alters heimgesucht, und genießen so recht sroh unddankbar den Lebensabend. Die beiden ältesten Söhne sindschön vcrheirathet, auch Militärs, eine glückliche Familie.

Die Graf Brühlschen Subskriptionsbälle im Konzertsaaledes Schauspielhauses habe ich auch zu »sehen« bekommen, denngetanzt wird dort fast gar nicht. Man konversirt, beobachtetund mustert und kritisirt gegenseitig die Toiletten. DieHerren bewegen sich im Saal, die Damen sitzen meist auf denrings herum angebrachten Estraden. Der König promenirtunermüdet durch das Gedränge und spricht leutselig mit Vielen.Dabei schaut er lächelnd umher, wie ein Vater, der sich freut,die Kinder vergnügt zu sehen.

Auf der vierten Estrade saß ich ganz bescheiden mit derMutter und einer befreundeten Familie und ergötzte mich andem glänzenden Gewirr im Saal ... als plötzlich mir zu-geflüstert wurde: »Der König will mit Ihnen sprechen, steigenSie herab« . . . und ich stand znm ersten Mal vor FriedrichWilhelm dem Gütigen.

Ich fühlte, daß sämmtliche Anwesende mich beobachteten,wie ich mich benehmen würde, es flimmerte mir vor den Augen aber kaum begegnete ich den milden, gütigen Blick desKönigs, so war ich gefaßt. Der König sagte in seiner be-kannten, abgebrochenen Weise: »Freue mich, Brühl Sie fürmeine Bühne gewonnen oft auf dem Königstädter Theatergesehen viel Vergnügen gemacht muntres Wesen liebensehr gefallen.«

*) Der. eine ist der durch die letzten Kriege so berühmte GeneralHerwarth v. Bittenfelb.