Buch 
Neunundsechszig Jahre am Preussischen Hofe : Aus den Erinnerungen der Oberhofmeisterin / Sophie Marie Gräfin von Voss
Entstehung
JPEG-Download
 

95

10. Mai.

In der Kirche; zu Tisch bei der Ualla käo, von der ichAbschied nahm, da ich nach Groß-Giewitz abreisen muß.Abends an Hof, wo ich nach dem Souper mich bei derKönigin verabschiedete. Ich ging nicht zu Bett und um1 Uhr reisten wir ab, mein Mann und ich, und Schwerinmit uns.

14. Mai.

Obgleich wir Wittstock früh um 5 Uhr verließen undden ganzen Tag ohne Aufenthalt weiter fuhren, erreichtenwir dennoch Groß-Giewitz erst spät am Abend. Wirfingen damit an, trotz der späten Stunde, noch den Gartenzu durchwandern, den Schwerin reizend fand, und nach demSouper waren wir alle froh, zu Bett gehen zu können.

15. Mai.

Trotz aller Ermüdung war ich doch schon um 8 Uhrangezogen und draußen. Wir frühstückten gemeinschaftlichund machten einen schönen weiten Spaziergang. Nach Tischkam die Frau des Geistlichen zu mir und eine Menge Frauenaus den Gütern mit ihren Anliegen. Dann machten wireine Landparthie und Schwerin unterhielt uns herrlich.

16. Mai.

Den Vormittag hielt ich eine gründliche Jnspection inder Wirthschaft; zu Tisch kam der Graf Menburg, Schwagerdes Grafen Lehndorff, welcher das Regiment Lehwald kom-mandirt. Er erzählte uns Alles, was durch Kleist hierThörichtes angeordnet worden ist, worunter das ganze Landnun zu leiden hat. Abends kamen meine Schwiegermutterund meine Schwägerin Rochow von Stülpe an, und wirfreuten uns sehr. Beide nach so langer Zeit einmal wiederzu sehen.