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Neunundsechszig Jahre am Preussischen Hofe : Aus den Erinnerungen der Oberhofmeisterin / Sophie Marie Gräfin von Voss
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auch spielte man sehr schöne polnische Volkslieder. Um zweiUhr weiter und wieder überall fetirt und mit tausendAttcntionen und Ueberraschungen an jedem Ort von Neuemfestlich empfangen. Um sieben Uhr Abends waren wir inOels. Der Herzog erwartete uns schon eine Meile vor derStadt; wir mußten in seinen Wagen einsteigen, der mit achtsehr schönen Pferden bespannt war, die aber unter einemTriumphbogen vor der Stadt, wo Empfang war und siestill halten sollten, einen Heidenlärm machten. Mit Mühewieder zur Ruhe gebracht und gebändigt, brachten sie unsglücklich bis zum Schloß, wo sie denselben Spektakel anfingen,sobald sie anhalten sollten und man Hals über Kopf nureilends aussteigen mußte. Hier war großes Souper beimHerzog; das Schloß ist schön; das Fest dauerte bis Mitter-nacht.

22. Jimi,

Ein ziemlich ruhiger Morgen; die arme Königin warsehr erschöpft. Die Prinzessin von Württemberg, die hier ist,und der Herzog von Oels waren den Vormittag über beiihr; das Diner dauerte von drei bis fünf Uhr; dann warTheater mit einem Festprolog für die Königin; die Musikdes Stückes war charmant, aber es dauerte bis elf Uhr undman kam erst um ein Uhr zur Ruhe.

23. Juni.

Um acht Uhr, Gott sei Dank, von diesem fatigantenOrt weiter gereist und auch heute aus dem ganzen Wegereichlich mit Blumen beworfen und gefeiert. Um zwölf Uhrin Breslau; eine Meile vor der Stadt fingen bereits dasVivatrusen und Freudengeschrei, die Ehrenpforten, dasBlumenwerfen und das Getümmel der Menschenmenge an.