Z68 Klage» einer Hauswirthin.
öl theuer genug verkaufen wollen, da der Wallstsch-fang in diesem Jahre so schlecht ausgefallen ist. Alleswird aufs liebe Brod fallen, und dieses ist uns leiderHeuer so sparsam zngewogen, daß man es den Arbeits-lenten wohl wieder zuwägen möchte. Kurz, wer diesesJahr mit Ehren durchkömmt, der kann von Glückesagen.
Das schlimmste bey dem allen ist, daß das Gesindein hiesiges, Gegenden immer gleich üppig und kostbarbleibt, urd durch keine Ermahnungen dahin zu bringenist, sich mit Brod und Käse ohne Butter zu begnügen.Anderwärts hat man Birnmnß, Pflaumenmuß undMöhrensaft statt der Butter; in Frankreich sind eineZwie-bel und drey Kastanien eine herrliche Mahlzeit; aber hierweiß man von dem allen nichts. Das Gesinde würdeeinen auslachen, wenn man ihm, wie in Böhmen, Brodmnd Salzgurken, und des Sonntags ein paar Senfbirnvorsetzen wollte. Wir haben auch weder Schaafkäsenoch saure Schaafmilch, womit der Haushalt in andernLändern Jahr aus Jahr ein unterhalten wird, und ohtt-erachtet sich ganze Heere von Staaren in unsern Gegen-den zeigten: so hat man sich doch die Mühe nicht gege-ben, sie zu fangen, und für den Winter in Eßig zusetzen. Kurz, ich habe in meinem Leben ein solches Landnicht gesehen, wo die Einwohner so kostbar leben. Esist gar kein Wunder, daß keine Fabriken darum emporkommen können. Denn jeder Bettler' verzehrt doppeltso viel, als in andern Ländern der fleißigste Fabrikantdes Tages gewinnet. Ein Mohr in Africa lebt täglichvon z Pfennigen, wofür er sich Brod und Zwiebelnkauft, und seine höchste Wollust an Feyertagen ist, daßer sein Brod röstet und in Oel tunkt. Aber hier schreytalles nach Fleisch, und ist kaum mit einerley zufrieden.
Ich