Mehrbändiges Buch 
Patriotische Phantasien / von Justus Mösre ; Herausgegeben von seiner Tochter J. W. J. v. Voigt, geb. Möser
Entstehung
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Vom Kerbstocke. 149

Versicherung haben, sich beständig kentrolliren und ein-ander nicht bekriegen können.

Was wird häufiger geschworen als Eide über Hand-lungsbücher, besonders, nachdem auch sogar Handwer-ker zugelassen wurden, Buch zu halten und ihre-RechNuii-gen zu beschwören? Wie mancher Kaufmann hat nicht oftdas Genüge verloren, oder dem andern aus Irrthumoder Vorsatz zu viel gethan, nachdem er.sich ein oder keinGewissen daraus gemacht, alles dasjenige zu beschwören,was seine Ladendiener oder Jungen, oder wohl gar eineFrau oder Magd zu Buche gebracht haben! Wie mancherkostbarer Proceß ist nicht darüber geführet, ob und wen»der Vestärkungseid in solchen Fällen zuzulassen? Allesdieses hatten unsre Vorfahren beym Kerbstocke nicht zufürchten. ' ' s, !

Insgemein glaubt man jetzt , der Kerbstock habe nurgedient, um Rechnung über Milch, Bier, Brod und an-dre Sachen, welche ein gewisses feststehendes Maas ha-ben , zu führen. Allein dieses ist irrig. Der Kerbstockwar das älteste Dienst - und Pachtregister; und nichts istleichter, als solchen auch bey andern Waaren, welchefür Geld verkaufet werden, einzuführen. Wenn dieKerbe auf einer Seite einen Thaler,- auf der andern ei-tlen Schilling, und auf der dritten einen Pfennig bedeu- ,tet: so-kann der Landmann dasjenige, was er täglichund zur Nothdurft gebraucht, völlig darauf hewahren.

Wie wäre es also, wenn wir das Recht einführten,daß- fürohin-alle Krämer und Handwerker, welche außer-halb geschlossenen Orten wohnen, .und folglich nur mitSache» von der höchsten Nothdnrst handeln, niemals zureidlichen Bestärkung einer Rechnung zugelassen werdensollten? wenn sie angewiesen würden, mit den Landlen-ten, welchen sie borgen, nicht anders als auf euremKerbstock. zu handeln? Sollte dieses nicht besser seyn,als der eingeschlichene.Gerichtsgebrauch, nach welchem

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