Mehrbändiges Buch 
Patriotische Phantasien / von Justus Mösre ; Herausgegeben von seiner Tochter J. W. J. v. Voigt, geb. Möser
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Eine lehrreiche Geschichte. z6i

Leuten nicht, nird wenn sie jährlich auf der Hof-sprache , welche die Herrschaft damals noch mit ihrerGegenwart zu beehren pflegte, tanzte, so hatte manschwören sollen, es sey niemals ein Holzschuh an ihreFüße gekommen. Ihre Stimme war so rein und klin-gend, daß man es allemal auf der Burg hören konnte,wenn sie unten im Sündern >) mit den Nachtigallenwetteiferte; und die Hausarbeit gieng ihr so leicht vonder H-md, daß der guten Mutter das Her; lachte, wennsie ihr liebes Kind die Drösche wenden sah.

Lange hatte der Sohn des alten Burgherrn, ein jun-ger Herr, der jetzt die Jahre der Knapschaft angetretenhatte, und mit Vergnügen der Zeit entgegen sahe, da erauf Ebentheuer reisen sollte, die schöne Splika, so warder Name der Dirne, insgeheim bewundert, und man-chen Abend das Fenster in dem dicken Thurm aus derBurg geöffnet, um sich an ihrer Stimme bey stiller Abend-zeit zu ergötzen. Oft hatte er schon seiner gnädigen FrauMutter angelegen, sie zu sich auf die Burg zu nehmen,und im Perlensticken und Haarflechten unterweisen zulassen, und dermaleinst ein geschicktes Hofmädchen, dennder Titel Cammerjungfer war derozeit noch nicht üblich,daraus zu erziehen. Allein da die Eltern ihr einzigesKind nicht gern missen, und noch weniger die Anerbinihres Hofes zu falschen Hoffnungen und gewissen Thor-heiten verwöhnet haben wollten : so hatte der alte Burg-

Z 5 Herr

L) So wird der Versammlungötag der hofhörigen Leute im Stifte Oßn«-briick genannt.

t) Sündern ist ein beträchtliches Gehöft, was in Absicht der Viehweideoffen oder gemein, aber waS daS Hoft betrift, davon gesondert odereinem Herrn zuständig ist.