Mehrbändiges Buch 
Patriotische Phantasien / von Justus Mösre ; Herausgegeben von seiner Tochter J. W. J. v. Voigt, geb. Möser
Entstehung
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. -Der erste Jahreswechsel.

Alle Morgen, die Gott werden ließ, kam die Sonnespäter, und der Abend, da sie noch weder Feuer noch Lichtkannten, so früh; die Tage wurden allmählig so kurz,daß sie nun schon nichts anders als eine lange ewigeNacht erwarteten, und blos vom Hunger getrieben nochdurch den dicken Nebel herumliefen, um einige abgefalleneFrüchte zu sammle«, wobey Eva immer glücklicher war,als Adam, indem sie noch oft einen Apfel entdeckte, dender Mann übersehen hatte, und sich dann recht inniglichsreuete. Aber anch diese Hülfe hörte bald auf, die Thiereauf dem Felde sammleten fleißiger wie sie, und ein schö-ner Kürbis, den Eva einsmals im Triumph nach Hansegebracht, und über alle Aepfel im Paradiese erhoben,Adam aber, um ihr kein Recht zu lassen, aus der Hüttegeworfen hatte, lag, wie sie ihn jetzt aufsuchte, verfauletda. Nun wühlte Eva mit ihren Händen Wurzeln ausder Erde, bis der Frost kam, und sich ihren noch nichtabgehärteten Fingern widersetzte. Endlich bedeckte eintiefer Schnee den ganzen Erdboden, und vergrub das ein-same Paar unter seiner armseligen Hütte. Keine Sonneleuchtete mehr, die ganze Natur war todt, kein Vogelsang, kein Kraut wuchs, und der blasse Schimmer desSchnees entdeckte ihnen nichts, als ihr beyderseitigesElend. Sie legten sich hin, um zu erstarren, um mitder ganzen Natur einzuschlafen, um nie wieder zu erwa-chen: aber der Hunger verstattete ihnen auch diese letzteRuhe nicht. Sie mußten wider ihren Willen die Rindevon dem Laube ihrer Hütte nagen, Wurzeln unter sichhervorwühlen und den Schnee auflecken. Eva fühltedann und wann noch ein Herz unter dem ihrigen schlagen;sollte dieses, sagte sie zu Adam, wohl das Kind seyn,was ich mit Schmerzen gebühren soll? sollte dieses wohlnoch kommen, um unser Elend zu vermehren und mit unszu verhungern?

Bey