Mehrbändiges Buch 
Patriotische Phantasien / von Justus Mösre ; Herausgegeben von seiner Tochter J. W. J. v. Voigt, geb. Möser
Entstehung
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6 Wie man zu einem guten Vortrage

die ich jetzt nur mit der herauskommenden Summe zubemerken nöthig habe. Desto mebr behalte ich von denfolgenden Operationen, worin sich alles schon mehr zurBestimmung geneigt hat, und der letzte Gewinn dientmehrentheils nur zur Deutlichkeit und zur Erleichte-rung des Vertrags. Die Ordnung oder Stellung derGründe folgt nach dem Hauptpian von selbst, und dasKolorit überlasse ich der Hand, die, was die erhitzteEinbildung nunmehro mächtig fühlt, auch mächtig undfeurig mahlt, ohne dabei einer besondern Leitung zubedürfen.

Doch will ich eben nicht sagen, daß Sie sich so-gleich hierin selbst trauen sollen. Jeder Grund hatseine einzige Stelle, und er würkt nicht auf der einen,wie auf der andern. Gesetzt ich wollte Ihnen bewei-sen, daß das frühe Disponiren sehr mißlich sey, undfinge damit an, daß ich ihnen sagte:Garrick be-wunderte dieClairo n, als Frankreichs größte Actrice;aber er fand es doch klein, daß sie jeden Gradder Raserei, worauf sie als Medea steigen wollte,vorher bei kaltem Blute und in ihrem Zimmer be-stimmen konnte:" so würden Sie freilich die Nich-tigkeit der Vergleichung leicht finden, aber doch nichtalles dabei fühlen, was ich wollte, daß Sie dabeifühlen sollten. Garrick disponiere seine Rolle niezum voraus, er arbeitete sich nur in die Situa-tion der Person hinein, welche er vorzustellen hatte,und überließ es dann seiner mächtigen Seele, sich sei-ner ganzen Kunst nach ihren augenblicklichen Empfin-dungen zu bedienen. Und das muß ein jeder thun,der eine mächtige Empfindung mächtig ausdeuten will.

Das Koloriren ist leichter, wenn man es von derHaltung trennt; aber in Verbindung mit derselbenschwer. Hierüber lassen sich nicht wohl Regeln geben;

man