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Ueber die Erziehung des Adels
groß und mächtig bleiben soll. Der Adel sollte sichgar nicht in den Stand der Gelehrten begeben; unddie Staaten wurden besser regiert, wie nngelehrteLandräthe stimmten, und ein gelehrter Canzler dieAusfertigungen darnach besorgte, als jetzt, wo allesgelehrt ist.
Unsre Vorfahren, die immer, ohne viel zu specu-lireu, mit dem Faden der Erfahrung über Weg gien-gen, und Uebung und Arbeit in jeder Kunst für einsichreres Mittel hielten, ihre Kinder vorn Bösen ab-zuhalten , und aus ihnen brauchbare Männer zumachen , als alle Regeln und Wissenschaften, ob siees gleich auch beiläufig hieran nicht ermangeln ließen,suchten ihre Söhne, je nachdem sie an ihnen Lustoder Fähigkeit bemerkten, bei Hofe, bei der Jagd,bei der Forst oder beim Stalle anzubringen. DerFürst, der sie zuerst ^ als Pagen aufnahm, hatte anseinem Hofmarschall, Oberjägermeister, Forstmeisterund Stallmeister zunftgerechte Meister, und mansprach damals von Höfen, wie man jetzt von Aka-demien spricht. Jeder Edelmann wußte, wo eingerechter Hof gehalten wurde, und jeder Fürst be-strebte sich, den besten zu haben. Man sahe den Hofals die wahre Schule des Adels an, und ein Chur-prinz von Sachsen ward Page bei seinem Oheime,dem Erzbischofe zn Magdeburg, um Regierung zulernen. -
Insbesondre aber leisteten die Kriegesschulen un-serer Vorfahren, da ein Vater seinen Sohn einemguten Meister oder Ritter auf sechs oder sieben Jahrein die Lehre gab, und nicht eher zurücknahm, alsbis er die Gesellen - oder Knappen-Jahre erreichthatje, und auf die Wanderschaft ziehen konnte, alles^was man nach der damaligen Kriegesverfassung nöthig
halte;