Mehrbändiges Buch 
Patriotische Phantasien / von Justus Mösre ; Herausgegeben von seiner Tochter J. W. J. v. Voigt, geb. Möser
Entstehung
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WieistdieDrespeimmeuschlichenGsschlechterc. 47

sen müßten, nicht Mittel geben, auch noch die Drcspein Preiß zu bringen! Die Jtaliänec warfen lange dieabgewundenen Hüllen der Scidenwürmcr in den Mist,bis sie endlich lernten, Blumen daraus zu machen;und wir Deutschen schufen auch ein Mal, denn Schö-pfer sind wir doch immer gewesen, aus den sonst weg-gespülten Schuppen der Bärsche etwas, das eine Blu-me heißen sollte; was dünkt Ihnen also, wenn wir auchnoch so etwas aus der Drespe oder der Spreu machten?wenn ich Sie zum Exempel als eine Hülse in eineRose verwandelte, und dieser ein Plätzchen auf meinerHaube, oder an einem andern Orte, wo Sie vielleichtlieber berblüheren, einräumete; würden Sie es wohlbereuen, nicht blos zum Pumpernickel erschaffen zuseyn? Es kommt nur daraus an, wie ich das Ding inmeinem Kopfe drehe: so sind Sie Spreu oder Rose.

So viel bleibt indessen immer, wir mögen nunseyn was wir wollen, richtig, daß die Drespe, wennsie genutzt und veredelt werden soll, eine ganz andreBehandlung, als das reine Korn erfordere; und daßmehrere Arbeit und mehrere Kunst dazu gehören, Baum-wolle aus der Heede, als ein Stück Lowend aus gu-tem Flachse zu machen. Sie erinnern sich, wie unserIrokese die Ohren spitzte, als er hörcte, daß ein hüb«scher und junger Mensch verdammet wurde, zehn Jahrslang mit untergeschlagenen Beinen auf einem Tische zusitzen, um sich dereinst mit der Scheere und öer Nadelin einem kleinen engen Stäbchen ernähren zu können.Das heißt, rief er, die Drespe auf eine grausame Artveredlen; und was würde er gesagt haben, wenn ergehört hätte, daß man solchen jungen Burschen nichtallein manchen Feyertag, sondern auch sogar den Trost,sich alle vier Wochen ein Mal recht ausdehnen zu kön,

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