94
XXlll.
Der Autor am Hofe.
Schreiben einer Hofdame.
Heute könnte ich Ihnen ein Mal recht viel schreiben;Obrer« ist bei Capitain Cvok, und wir Hofdamensind in Gnaden zu Hause gelassen. Allein zur Assem-bleezeit zu schreiben, daß ist doch ' so wunderlich; ichhabe noch einen Besuch abzustatten, den ich seit Jahrund Tag schuldig bin; vielleicht gehe ich — Wie man-che gute Handlung geschieht nicht aus Langerweile!O wenn es doch die Leute nur wüßten!
Aber wo war ich? Ich glaube, meine Liebe, ichwollte Ihnen sagen, daß ich recht viel Zeit zum Schrei-ben hätte, und doch wohl Nichts mehr schreiben würde,als daß Ihr lieber Carl wohl sey, dieses ist Ihnen dochlieber, als eine Anecdote ä la Otslioiti, und allmählichden Gelehrten vergesse. Aber ich habe ihn auch wasRechts damit gehudelt, daß er ein Buch geschrieben,und sich eingebildet hat, wir würben ihm dafür einenKnicks mehr, als andern machen. Anfangs schien eres sehr übel zu nehmen, und glaubte, wir wären amHofe noch fünfzig Jahr zurück, weil wir keine gelehrteZeitungen lesen, und nicht wüßten, was die Herrn Ge-lehrten sich einander für schöne Complimente machten;allein seitdem ich ihm durch meine Cammerjungfer denneuen Orden xour Is insiits litteraire , eine Mtnerveam rothen Bündchen geschickt habe, hat er nicht dasHerz mehr, einen Autor in meiner Gegenwart zu nen-nen. Er wird ihn auch nicht so keck aushängen, alsdie Damen den Orten xour Iss vertu. Zu IhremTroste kann ich Ihnen auch noch sagen, daß der Mi-nister