irr
auf dem Siechbette ganz verbieten.
halfen weder häusliche Freuden, noch rührende Thrä-nen. Der Undankbare sieh diese, und achtete jenenicht. Ost mußte sie bei ihren großen Einkünften dar-ben , oder sich doch das Nöthigste entziehen, währendder Zeit er mit seiner ersten Buhlschaft davon in Ue-berflnß lebte, oder ihr Geld verspielte. Er kam baldin Monaten nicht zu Hause; des Sommers war er inBädern, und des Winters in der Hauptstadt, wo seineerste Geliebte wohnte: so daß es nicht schien, alswenn er auch nur die geringste Pflicht gegen die gut-herzigste Frau zu erfüllen hätte. In diesen traurigenUmständen hatte sie ihre jüngere Schwester zu sichgenommen, die jede ihrer Thränen mit empfand, undjede unangenehme Nachricht von dem Undankbarenmit aller Vorsicht zu mildern suchte. Das Wenige,was sie hatte, gab sie mit Freuden zur Haushaltungher, um ihrer Schwester Ungemach zu erleichtern, undihr die unangenehme Erinnerung zu ersparen, daß siebei allem ihrem Vermögen Mangel leiden mußte.Beide Schwestern liebten einander so herzlich, wieZärtliche und Unglückliche zu thun pflegen; Emilie,welche der Gram sichtbar verzehrte, wünschte hundertMal, ihren Sohn und ihr Vermögen ihrer Schwesterverlassen, und beides damit dem künftigen Untergängeentziehen zu können. Aber es war ein eitler Entwurf,der jedoch bald zum Theil hätte erfüllet werden kön-nen, indem ihr der Himmel ihr Kind raubte, und derSchrecken sie dem Grabe näher brachte. Die Nach-richt von diesem Tode, und der damit verknüpfte Ver-lust der Erbschaft rührten aber nicht sobald den Vater:als er mit allen Zeichen einer wahren Betrübniß undRene zu Emilien kam, sie mit tausend verstelletenThräne» um Vergebung bat, und um ihre Gesundheitvom Himmel zu erflehen, vor ihrem Bette kniete.
Der