Mehrbändiges Buch 
Patriotische Phantasien / von Justus Mösre ; Herausgegeben von seiner Tochter J. W. J. v. Voigt, geb. Möser
Entstehung
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XXXV.

Also sollte man den Zweikampfen nur einebessere Form geben.

Ob unsre Moralisten wohl thun, wenn sie der ge-kränkten Ehre das Recht, ihre Genugthuung durcheinen Zweikampf zu fordern, ganz absprechen; ob dieFürsten durch ihre Gesetze es jemals völlig aufhebenwerden, und ob es nicht weit besser seyn würde, demunaufhaltbaren Strome sichere Ufer zu geben; diesessind Fragen worauf ich mich nicht einlassen mag, weilmeine Antwort vielleicht manchem zu sonderbar scheinenmöchte. Indessen habe ich doch immer folgende Ge-schichte gern gehört.

Zwei Officiere von einem Regimente gericthen imvorigen Kriege mit einander in Wortwechsel, und dieFolge davon war eine Ausforderung auf den andernMorgen. Allein des Nachts brach die Armee auf, undes kam bei Anbruch des Tages mit dem Feinde zumTreffen; worin der Beleidigte, indem er seinem Belebdiger das Leben rettete, schwer verwundet wurde.Das Glück wollte, daß er auf ein Gut gebracht wur<de, was dem Vater des andern gehörte; der ihn, wieleicht zu denken, auf die liebreichste Art empfing, undihm alle diejenige Hülfe erzeigte, die er sich nur wün-schen konnte. Da das Treffen den Feldzug für dasJahr geendigt hatte, so kam auch der Beleidigerzu Hause; und der Dank, welchen er seinem Gegnerschuldig war, erzeugte bald unter beiden die innigeFreundschaft wieder, worin sie vorher beständig gelebthatten. Die ganze Familie nahm den aufrichtigstenTheil daran, und beide philosophirten mehrmals überden Zweikampf, welchen sie nach ihrer Wiederkunft

beim