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Umriß einer christlichen Weltgeschichte / von Friedrich von Maltzan
Entstehung
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ward es ein Heil für alle Völker, daß die Deutschen unver-mischt ihren Weg- selbständig verfolgten. Es ward dieseSelbständigkeit aber auch durch Carl vor Zersplitterung be-wahrt, indem er die großen eigenmächtigen deutschen Herzog-thümer als solche ausloste: so das der Baiern unter Tassilo,der Schwaben unter Leuthold, der Sachsen unter Wittekind.Carl befestigte die geistliche deutsche Einheit auch als eineweltliche. Hatte Bonifaz ein echt geistliches Leben in Deutsch-land erweckt, als wonach der tiefe, herzinnige Deutsche sichsehnt, so war von Carl das Volksmäßige in Sprache undArt begünstigt, und beide Männer waren die mächtigen Füh-rer der Deutschen. Carls Sohn, Ludwig der Fromme, von814 I 840 n. Chr. war zu schwach für solche Herrschaft;alle alten Feinde standen wieder gegen ihn-auf. . Stach seinemTode trennten seine Söhne im Vertrage zu Verdün.843 n.Chr. Frankreich und Deutschland für immer. Characteristischnach ihrer Gesinnung wählte Carl der Kahle jenes und Lud-wig dieses, und er wird der erste gemeinsame König derdeutschen Volksstämme, auch Ludwig der Deutsche genannt,seine Art fest bezeichnend. Was Deutschland werden sollte,der Mittelpunkt Europas, mußte es aus sich entwickeln. DieDeutschen sehen nach Ludwig des Frommen Tode das wieder-belebte Kaiserthum noch nicht als das ihre an, sie achten eswenig.

Europa bestand im 9. Jahrhundert eine schwere Zeit.In Italien erhielt sich kaum Rom, das Leben ausströmende;und angefallen von Saracenen und Normannen, waren nochalle Landschaften im Kampfe unter sich. In Spanien bliebendie Christen noch stets auf enge Grenzen beschränkt ohnge-achtet ihres sieghaften Ringens. In Frankreich sank die kö-nigliche Macht unter den schwachen Fürsten gegen die Lehns-leute, welche sich unabhängiger erhoben, und die Normannenverwüsteten zudem Städte rmd Landschaften. England erdul-dete die Raubzüge der Dänen, bis Alfred st 901 n. Chr. ihrJoch eine Weile abschüttelte. Das Angelsächsische, nachdem esdie neue Heimath weniger durch Kriegesunlust als durch Un-achtsamkeit der Britten gewonnen hat, liebte eine edle Ge-mächlichkeit mehr als den Kampf; aus ihm ging das Comfor-