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Umriß einer christlichen Weltgeschichte / von Friedrich von Maltzan
Entstehung
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Viertes Kapitel.

Die Normannen.

Wenn ein Volk sich so sehr vermehrt, daß es nicht mehrbequem seiner Gewohnheit leben kann, dann wandern viele,die es vermögen, lieber aus, als daß sie daheim die gewohnteWeise verlassen, und Neues versuchen. So ging es in Nor-wegen im 9ten und lOten Jahrhundert. Die kühnen Seefahrerlernten manche reizende Küste kennen, und nach manchen Strei-fereien, plündernd und mit wechselndem Glücke, folgte der grö-ßere Zug Rollo's, 912, nach Frankreich, wo sie sich um denAusfluß der Seine ansiedelten, Rollo nahm bald die Taufe,und empfing als Herzog Robert das Land zu Lehn, welchesnun Normandie hieß. Von hier aus wagten sich die Nor-mannen weiter nach Süden, besonders unter Tancred vonHauteville und seinen Söhnen nach Unteritalien, wo sich Grie-cheir und Saracenen um den Besitz stritten. Die Normannenüberwanden bald beide, und stifteten mehrere Herzogthümer.Robert Gniscard, der normannische Herzog von Apulien, schloßsich dem Papst Nicolaus ii. 1059 an, ließ sich von ihm mitseinen Ländern, und dem noch zu erobernden Sicilien beleh-nen, und ward die Stütze des Papstthums in dieser für dasselbeentscheidenden Zeit. Gregor VII., das Rüstzeug des Herrn,jetzt wo die Fürsten in Weiblichkeit versanken, die Völker inDruck und in heidnischem Fehdeleben verwilderten, Gregor be-durfte zu der inneren Kraft, auch des Schildes, und das. warendie Normannen, sie schirmten ihn gegen den Kaiser, vielmehrgegen die Griechen, welche der römischen Kirche sie geistlichbedrohend entgegenstanden, und von Unteritalien aus schon Romzu erobern Gefahr erweckten. Die Normannen brachen auchdie Macht der Saracenen, die Stetsten und Sardinien besitzend,bereits in Unteritalien sich festgesetzt hatten und Europa schienin seinem ganzen Süden an sie hingegeben. Die Normannenleiteten den ersten Kreuzzug besonders, sie setzten darin ihrenKampf gegen die in Italien angedrungenen Saracenen nurerfolgreicher im Morgenlande fort. Die Normannen warenjetzt die Krieger des Herrn. Charactersest, geschickt die Ver-hältnisse bei Land und Leuten sich fügsam zu machen, gleich