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Umriß einer christlichen Weltgeschichte / von Friedrich von Maltzan
Entstehung
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Es war diese Kirchenversammlnng ein wichtiger Rechts-termin in der Sache des jüngsten Gerichts. Papst und Kaiser,die höchsten Mächte auf Erden, hatten alle Völker Europasgeladen. Es galt den Zeugenbeweis zu vervollständigen, wo-rauf der Herr dereinst sprechen soll: ich kenne euch nicht. DieSchweden und Dänen blieben unselbständig, die Polen ferne.

Frankreich stellte an die Spitze Aller Männer von Talentund Eifer, wie Johann Charlier von Gerson, Peter d'Aillyund Nicolaus de Clamenge. Doch konnten stch diese nichtvon menschlichen Satzungen los machen, und sich allein demWorte Gottes unterwerfen, und so ward nur einiges Aeußer-liche weggethan. Italien huldigte fernerhin dem Papste alsseinem goldenen Kalbe; England erfaßte auch hier das Practischebesonders, blickte nicht tiefer über die Werke hin in den Glauben;Spanien blieb der Hauptsache fremd; die slavischen Völkererkannten auch hier nicht die heilige Angelegenheit; Deutschlandallein bestand, neben der Sittenverbesserung der Geistlichen,aus Reinigung der Lehre. Danach haben sich die Völker ihrUrtheil gesprochen, ehe die Zeit eintrat, wo der Herr in einesjeglichen Sprache kommen wollte. Deutschland hat die reinsteReformation erfahren, und das Zusammenwirken von Papstund Kaiser blieb ihm ein Vorbild, wie das geistige Amt netzender weltlichen Obrigkeit wesentlich stehen müsse. Eine Blut-schuld lud das Concil aus sich in seiner Verstocktheit gegen dieLehre, deren Folgen Deutschland hart straften.

Hieronymus Faulsisch von Prag studirte 1402 in England undlernte die Lehre Wycleffe's kennen, der 1324 geboren, 1384 starb.Wycleffe gab seinem Volke die Bibel zwar; doch ohne treu demWorte sich zu fügen. Den Kelch begehrte er, doch blieb ihmdas Abendmahl nur ein Erinnerungs-Zeichen; das wahreSacramentale war ferne. Um so gefährlicher sind solche Irr-lehren, welche die Bibel recht zur Stütze nehmen. Hieronymusschaffte der Lehre leichter Eingang, als Böhmen zuerst von dergriechischen Kirche bekehrt, nie ganz strenge der römischen Kirchezugewandt, und mancher abweichenden Lehre geneigt war. Jo-hann Huß, der Beichtiger der Königin, fiel ihm zuerst zu undbeide, Lehrer an der zahlreich besuchten Universität Prag, ge-wannen bald viele Anhänger.