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Umriß einer christlichen Weltgeschichte / von Friedrich von Maltzan
Entstehung
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aber sie kamen als Heiden, und kehrten zurück in den Ostenals Mohammedaner, sogar Christum schmähend. Dagegen hat-ten sich die Völker Europas gläubig nach der heiligen Verhei-ßung, nun auch in Sprachen gesondert und bereitet, und esgefiel dem Herrn wohl, die Jungfrau Europa, seine Braut,wie es in dem Brautgesange Psalm 45 heißtinwendig herr-lich zu machen".

Die zu dieser innerlichen Herrlichkeit nach ihren Sprachengesonderten Völkerglieder, gesondert, damit das Jndividualisirenin dem Herrn recht hervortrete, will nun der Herr zuvor wie-der äußerlich in Gemeinschaft bringen, um dieses ganzen Lei-bes Haupt und Seele zu sein. Und Italien ist zum Zusam-mentreffen europäischer Völker ersehn: hier gränzen einige, allenöffnet das Meer den Zugang; hier war Rom auch schon langeder geistliche Punct des Zusammentreffens, und gerade hiersollte sich allen vor Augen stellen, was sie immer nicht erken-nen mochten, daß Rom ein Babel geworden, daß die Kircheder Erneuerung bedürfe und daß diese keine äußerliche, sonderneine innere sein müsse. Die Päbste Alexander VI., Julius II.und Leo X. trugen treulose Staatskunst, kriegerische Habgier,zügellose Ausschweifung und Mord zur Schau, daß Italien,selbst in seinem neuen Heidenthume, dem Mönche SavanarolaGehör lieh, als er Buße predigte. Doch verkannte Savanaroladarin seine große Gewalt über die Seelen, daß er mehr Gesetzals Glauben predigte, und sein Ziel nur eine sittliche Repu-blik Ivar.

Spanien, durch die Rechte Aragoniens, die dessen KönigFerdinand sich aneignete, und Frankreich, dessen König CarlVIII. das Haus Anjou vertreten wollte, erhoben 1494 Ansprücheaus Neapel gegen die unebenbürtigen Herrscher. Später be-hauptete Frankreich ein Recht auf Mailand für die weiblichenNachkommen der Visconti gegen die Sforza. Kaiser Maximi-lian gedachte aber hier ein Reichslehen zu schirmen. Letztlich1522 trat selbst Heinrich Vlll. von England in diese Verhält-nisse ein, daß also die fünf Hauptvölker zusammentrafen.

In Neapel, wo die Theilung nur Zwist mehrte, siegteSpanien durch Gonsalvo di Cordova 1502 über Frankreich;sonst wogte der Kamps hin und her. Die größten Schlachten