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zu einiger Unterwürfigkeit gebracht hatten, denn es waren immerneue fürstliche Schulden zu bezahlen, und dies veranlaßte Un-frieden, verbanden fich alle drei zu verfchiedenen Unterneh-mungen, beinahe zwanzig Jahre lang gegen die Friesen.Dieses Küstenvolk, frei und beweglich wie sein Meer, wolltedie Herrschaft der Bischöfe von Bremen und Münster und derGrafen von Oldenburg nur als ein ungeknechtetes Volk tragen.Das Budjadingerland ward zwar erobert, doch büßte Her-zog Heinrich der Aeltere sein Leben bei Belagerung einesSchlosses 1514 ein. Während nun die Reformation anfingNorddeutschland zu erneuern, verwickelten sich die Wessen indie traurige Hildesheimer Stifts-Fehde, und unter Händel,die an fich geringfügig, aber blutig waren und zu daucrudemFamilienzwist führten, ging dem Fürstenstamm die schönsteFrucht dieser Zeit. ein festes, treubewahrtes Bekenntniß ver-loren. Auf und ab schwankten sie fortan unter den Bekennt-nissen. Für Heinrich den Aelteren trat sein gleichnamigerSohn, als der Jüngere unterschieden, in die handelnde Wclfen-reihe ein bis 1569. Dieses Heinrichs Bruder, Bischof Franzzu Minden, hatte einen hildesheimischen Vasallen, den vonSaldcrn, in Schuh genommen, deshalb verband fich gegenihn der Bischof von Hildesheim mit Heinrich dem Mittlerenvon Lüneburg und anderen Herren. Zu Hülfe des BischofsFranz verbanden sich Heinrich der Jüngere und Erich vonKalenberg. Es kam auf der Haide ohnweit Soltau zur Schlacht,die Hildesheimer siegten und nahmen Erich gefangen 1519.Die Sieger hatten sich übermüthig betragen, auch Erich einschweres Lösegeld zahlen lassen, durch Brandenburg und Sach-sen wurde der Streit bis zum ersten Reichstage Carl v. ge-stundet. So kam die Sache 1521 zu Worms vor den Kaiser.Da die Sieger dem Ausspruch nicht sofort genügten, erkannteder Reichstag die Acht und übertrug deren Vollziehung denHerzögen Erich I. und Heinrich dem Jüngeren mit so gutemErfolge, daß Heinrich der Mittlere entfloh und nie wieder zurHerrschaft gelangte, und dem Bischof von Hildesheim 19Aemter abgewonnen wurden, welche ihnen 1523 in der Ent-scheidung verblieben. Die Belehnung des Kaisers empfingensie dann zu Augsburg. Mit diesem neuen Besitz verknüpfte