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Dritte Abtheilung.
Erster Abschnitt.
Wer nicht in mir bleibet, der wird weggeworfen wie eine Rebe undverdorret. Joh. 15,6.
Erstes Kapite.l.
Der Unglaube gelangt zur Herrschaft.
Der 30jährige Krieg sing an mit dem Scheine einesKampfes für den wahren Glauben; aber nur zu bald schwanddie Täuschung, und die bloß weltlichen Zwecke traten zuTage. In dem westphälischen Frieden boten sich nun diebeiden Richtungen des Rationalismus im Jesuitismus undim Calvinismus die Hand, um das Ziel in dem Siege desUnglaubens fortan freier zu erstreben. Frankreich, dieses Landdes vorherrschenden Verstandes, ward hiebei vorweg thätig;es hatte in sich die germanischen Stoffe, in so fern sie sich inder Geschichte als Träger der christlichen Entwickelung erkennenlassen, am mehrsten beseitigt, das Gefühl war vor dem Ver-stände zurückgedrängt, das Individuelle im Volke trat vorder gleichmachenden königlichen Gewalt in's Dunkel: in Reli-gion, in Kunst, in Sitten gewann die Sinnlichkeit ein Ueber-gewicht und führte einen leichten Frevelmuth .herbei, der vornichts Heiligem Scheu hatte. Und wer sollte sich dem Ratio-nalismus nur entgegen stellen, daß er nicht zum Unglaubenumschlug? Deutschland war der innerste Kern des Germanischen,und war durch die Reformation berufen, doch auch hier warzerstört, was aus der germanischen Freiheit des Einzelnen un-ter christlichem Einflüsse sich in lebensvollen Gesammtheitenhervorgebildet hatte, wodurch Freiheit und Recht, den Bauernden Bürgern, dem Adel und an der Spitze Aller, den Fürsten