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gegeben und bewahrt wurde. 'Nicht bloß die Wohnungen lagenzertrümmert, und weithin sah man nur schaurige Wildniß, dieBevölkerung selbst war gemordet, ihre Ueberbleibsel wie aufge-löst aus den Banden früherer Ordnung. Eine neue Bevölkerungsammelte und ordnete stch, nicht zu dem früheren Zustande,sondern so gut wie es eben ging. Und wohl den Ländern,wo einzelne größere Städte stch ziemlich unberührt erhalten,und nun die Quelle der neuen Bevölkerung wurden, so Han-nover und Cassel. Die Städte retteten vom altem Wesen nocham meisten; den kleinen Städten waren die Urkunden verbrannt,und blieben sie zu hinfällig neue Gerechtsame zu erwerben.Der Adel hatte sich den Kriegsheeren beigesellt, er fühlte sichzu neuem Beginn frisch und bei Mitteln. Der Stand derkleinen ländlichen Ackersleute versank überall vorzugsweise. Ret-ter waren in dieser Zeit die deutschen Fürstengeschlechter. Siehatten sich durch gekämpft; ihre Länder neu zu gestalten wares günstig, daß sich gerade jetzt alle vielfach verzweigt hatten,und nun die kleinen Fürsten zu einer selbständigeren Stellungim Reiche gelangten, um je ungehinderter ihr nahe liegendesGebiet zu Pflegen.
Aehnlich war um diese Zeit vernichtet, was in Süd- undWesteuropa die germanische Volksmischung als Freiheit undRecht gestaltet hatte. In Italien bestand es nur noch in demStädtewesen, das aber in die altrömische Vereinzelung derStädte versunken war. Der Landmann war Meist Pächter desStädters und besaß kein Grundeigenthum. Unteritalien unddas sonst so kühne Mailand waren von Fremden beherrscht, dienicht einmal sich einheimisch machten.
In Spanien hatten die schwachen Philipp IH. und 1Y.fast mehr die Freiheit unterdrückt, als der starre Philipp II.st 1598. Portugal riß sich zwar 1640 wieder los, und bestie-gen hier die Braganza den Thron; es war aber diese Zeit nichtgeschickt, irgendwo kräftige Lebensgestaltungen hervorzurufen.In England lag das Germanische noch fortwährend im Kampfe,freilich nicht mehr mit dem Französischen des Hauses Planta-genet, doch mit dem Schottischen des Hauses Stuart, gleichsamwie mit den alten Feinden, den Picten. Denn der KöniginElisabeth 1603 war Jacob i. Stuart gefolgt. Und wenn un-