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einen Thronwechsel in Rußland nutzte Friedrich, und so wardzu Hubertsburg 1763 Friede, worin Schlesien bei Preußenblieb. Die deutsch-protestantische Bevökerung hals Schlesien inseiner neuen Verbindung zu verschmelzen, ein tieferer Sieg desGermanischen.
Die Ernte der Sündensaat beider Ludwige ward immerweißer. Die deutschen Fürsten, nur Habsburg rind Zollern aus-genommen, hatten seit dem 30jährigen Kriege, den Franzosenso gelehrig nachgeeifert, daß auch ihre Aussaat reifte. DasVolksleben in den Landständen nur noch rege, war mit letzterenvöllig unterdrückt; blos in Chursachsen, Hannover, Würtembergund Mecklenburg galten noch Landstände.
Daneben tritt die Verwüstung des inneren Menschenlebensrecht zu Tage bei den Streitigkeiten mit dem Jesuitenorden,welche seine Aufhebung herbeiführten. Der Orden unter seinemOrdensgeneral selbständig neben, nicht unter dem Papst gewor-den, hatte freilich überall, wo er Eingang gefunden, die Grund-sätze der römisch-kirchlichen Machthaber durchgesetzt. Aber dasWort Gottes hatten die Jesuiten zuletzt geradezu durch die vonihnen erwirkte Bulle, Unigenitus, bekämpft, und somit verfielenste in ihre Klugheit, die vor Gott eine Thorheit ist. Mensch-lich-äußerlich war alles Treiben des Ordens: die Andacht selbst;auf weltliches Gut, auf weltliche Herrschaft zielte alles hin.Nicht der fürstliche Beichtstuhl reichte hiezu aus, es mußtengeheime Arzeneien aushelfen, die jungen Fürsten geistesunkräf-tig, doch zeugungsfähig aufwachsen zu lassen.
Bei steigender Verwestlichung des Ordens unternahm erHandelsgeschäfte, gründete in Südamerika eine Colonie. Einselbständiger Mann, wie der Minister Pombal in Portugal, be-schuldigte nun den Orden so schwer, daß Mitglieder desselbenselbst hingerichtet wurden und endlich die gänzliche Vertreibungder Jesuiten aus dem Reiche 1759 erfolgte Die bourbonschenHöfe thaten ein Gleiches und vermogten dann den Papst Cle-mens xiv. den Orden 1773 aufzuheben. In Rußland alleinfanden die Jesuiten eine Stätte. Dem Fürsten der Welt hatteder Orden so weit gedient, daß seine Grundsätze bei den Kin-dern der Welt völlig eingebürgert waren; der Lehrmeister be-durfte man nicht mehr, und das Ding ließ sich besser ohne