446 H. Per. G. l. Gesch. d. südl. Eur. Staatensyst.
sonnementS dieser Gegenstände, und Theoriengierigen daraus hervor, welche den schneidendstenContrast mir dem bildeten, was man in der Wirk-lichkeit erblickte. Man hielt diese Theorien für un-schädlich, weil sie -— bloße Theorien blieben; auchharren ihre Urheber dabey keine gefährliche Absicht.Aber beruhen nicht alle menschliche Institute zuletztauf Ideen? Und werden sie nicht untergraben,wenn diese sich ändern?
69 . Staatsverfassung und Gesetzge-bung waren es, die zuerst die Gegenstände der^74-Untersuchung wurden. Montesquieu erhob siedazu; aber sein Werk, mehr Critik als System,lehrte denken, ohne zu verwirren. Ganz anderswar es, als der beredteste aller Sophisten, derrrsaBürger von Genf, den Staat auf einer Grund-lage errichtete, auf der keiner der bestehenden ruh-te, und kein künftiger wirklich errichtet werdenkonnte. Volkssouverainität und Staat sindpraktisch widersprechende Begriffe; erst da beginntein Staat, wo Ausübung von Volkssouverainitätaufgehört hat.
Zwar war früher schon Locke als politischer Schriftstel-ler groß geworden; aber seine Theorie harmvnirte mit derConstitution seines Vaterlandes; dagegen Montesquieuder Lobredner einer fremden, und Rousseau einer idea»lischen Verfassung war, die ohne den Umsturz der Grund-pfeiler der bestehenden nicht statt finden konnte.