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Die Wiederbelebung des classischen Alterthums oder das erste Jahrhundert des Humanismus / von Georg Voigt
Entstehung
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Vorwort.

V

Wohl trat mir oft genug der Gedanke nahe, die reichenhandschriftlichen Schätze aufzusuchen, welche zumal die italie-nischen Bibliotheken bergen und deren Fülle und Werth mirbei der Durcharbeitung der Kataloge einleuchtete. Bei nähererErwägung aber wurde mir doch klar, daß bloße Excerpte, wieman sie bei einem Reisebesuche macht, nur wenig nützen können,daß die Briefwechsel der Humanisten, welche das werthvollsteMaterial enthalten, nur in methodischen, unter Vergleichungder verschiedenen Handschriften redigirten, unter möglichster Er-mittelung der Daten geordneten Ausgaben zur sicheren Be-lehrung dienen und demgemäß längere Aufenthalte an diesemund jenem Ort und wiederholte Nachprüfungen erfordernwürden. Diese Aufgabe liegt vor allen den Gelehrten Italiensob. Es sind bereits über vier Menschenalter verstrichen, seitLorenzo Mehus den Plan faßte, die Briefe aller bedeu-tenden Schriftsteller des 14. und 15. Jahrhunderts in einergroßen Raccolta zu ediren. Seitdem sind wohl die BriefeDante's und Boccaccios gesammelt worden. Fracassettihat wenigstens einen Theil der Briefe Petrarca's in gutemTexte gegeben und mit nützlichen Noten erläutert. Wirhaben auch Aussicht, die Briefe Poggio's in einer groß an-gelegten und würdigen Bearbeitung zu erhalten. Aber immernoch fehlen die Briefe Salutato's, Guarino's, Vergerio's,Francesco Barbaro's, Decembrio's, des jüngeren Lapo daCastiglionchio und mancher anderen, deren Gestalten jetzt oftim unverdienten Dunkel wie verborgen sind. Sonderbar, daßdiese Literatur den Italienern nicht als eine nationale erscheint,weil sie sich nicht der Volkssprache bediente, daß auch die poli-tische Einung des Landes nicht zu einer Verbündung der litera-rischen Kräfte geführt hat, die so reichlich vorhanden sind undfür welche die Aufgabe durchaus keine gar schwierige sein könnte.