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Die Wiederbelebung des classischen Alterthums oder das erste Jahrhundert des Humanismus / von Georg Voigt
Entstehung
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Einleitung.

müther in Anspruch nahm, als dann im Schisma der kirchlichen Ge-walten die Wissenschaft vorzugsweise bemüht war, theologische undkanonistische Waffen zu schmieden, selbst damals konnte man sicheines furchtsamen Grauens noch nicht erwehren gegenüber den be-zwungenen Mächten, die wie gefesselt in der Hölle, aber doch nochlebend und Rache sinnend drohten. Die Zeit der Griechen und Römererschien als eine Nacht, in welcher die Menschen unreine Dämonenangebetet; diese Dämonen aber, mit denen einst der christliche Glaubegebrochen, webten im Aberglauben ihr unheimliches Dasein fort.Nein, die Kirche, so lange sie bestrebt war,, dem weltlichen Treibengegenüber das Gottesreich aus Erden darzustellen, konnte nimmerdem Alterthum die aussöhnende Hand reichen. Sie konnte es nichtdulden, daß der Geist sich mit Liebe in eine Vergangenheit versenkte,die nicht ihre eigene war, daß er abgelenkt wurde von dem Blickein das Reich, welches Jesus der Zukunft verheißen hat und dessenSchlüssel sie allein führte.

Demnach hat die Kirche, während der Geist der Reinigung inihr noch lebendig und eine heilige Herrschaft ihr Ideal war, diemächtigsten Hebel menschlicher Thaten, Gefühl und Phantasie, fürihre Zwecke absorbirt. Das Denken hielt sie durch ihre Dienerin, dieScholastik, in Zucht und Banden. Den Sinn für das Schöne er-drückte sie lieber, als daß sie ihm den Nahrungsstoff, den er bei denklassischen Völkern finden konnte, gegönnt hätte. Es ist kein Zufall,und noch oft wird in diesem Buche darauf hingewiesen werden, daßerst mit dem Erbleichen der kirchlichen Sonne das Mondlicht desHeidenthums, welches lange von ihr überstrahlt worden, wieder her-vortritt.

Finden wir hierin nicht den tiefsten Grund, so wäre die Er-scheinung ganz unerklärlich, daß alle die Beschäftigung einzelner mitder klassischen Literatur, die uns während des Mittelalters nicht seltenentgegentritt, doch für die Gcsammtbildung desfelben völlig unfrucht-bar blieb. Das Alterthum ist einmal eine Welt für sich; nur dem-jenigen, der es als solche auffassen und mit unbeirrter Hingabe be-trachten kann, bietet es seinen bildenden Stoff. Kein Theil derWissenschaft kann gedeihen, so lange er einem andern zu dienen ver-urtheilt ist.

Gewiß verdanken wir die Erhaltung der klassischen Literatur, so-weit sie uns eben erhalten ist, vorzugsweise den Klosterbrüdern. Jahr-