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I. Petrarca und Cola.
apokalyptische Gespenster schwanken auf das Wunderlichste durchein-ander, eine Schaar von widersprechenden Begriffen: ein einiges freiesItalien und Rom als Vorherrschen«, Volksherrschast und Cäsaren-thum, Weltgebietendes Ansehen der Kirche und des Papstes, aber auchdes Volkstribunen, Freiheit im Namen des allgemeinen Friedens undder Gerechtigkeit, dabei aber Terrorismus und anmaßende Welt-herrschaft, republikanische Einfachheit und sinnlose Prunksucht, senti-mentale Sympathie für stilles, häusliches Menschenglück und nieder-tretender, oft kindischer Stolz, freies Walten des heiligen Geistes undkleinliche Willkür. Während die Erfolge Cola's bald genug stockten,rückte er seine Person immer mehr in den Vordergrund und trachtetenur noch, sich mit neuen Titeln und Würden zu bekleiden, mit Putzund Pomp und Festen zu umgeben, so schnell wie möglich zur Kaiser-krone und zu einem Kaiserhofe zu gelangen. Bezeichnend sind diePeinamen, die er sich öffentlich und feierlich zulegte und von derenBedeutung er oft den unklarsten Begriff hatte. Nur den Titel einesNeetors der Stadt Rom, den der Papst ihm verliehen und der aller-dings keinen antiken Klang hatte, führte er nie. Er nannte sichTribun, blieb aber weislich ohne Mittribunen; das Wort bezeichneteihm nur allgemein einen Anwalt der Freiheit und Gerechtigkeit undeine republikanische Würde, die ihn an die Spitze der Stadt stellte.Am 1. August 134? nahm er den Rittergürtel und das Ritterbadim Taufbecken des Kaisers Constantinus, am 15. August, dem Tageder Himmelfahrt Mariä, sollte er mit dem „tribunicischen Kranze"gekrönt werden, den nach seiner Angabe die alten Tribunen immerempfangen; er ließ sich dann aber an diesem Feste sechs Kronenaus einmal übertragen, vom Laube der Eiche, des Epheu, derMyrthc, der Olive, des Lorbeers und von vergoldetem Silber'). Wenner das Scepter der Senatoren trug, so war auf dem Apfel desselben'ein goldenes Kreuz mit einer Reliquie angebracht, und im Wappenführte er sowohl die Schlüssel Petri wie das S. P. Q. R. Uner-sättlich sann er auf neue Beisätze zu seinem Majestätstitel. Warumer sich Augustus nannte, entschuldigte er vor Papst Clemens VI mitfolgenden Gründen: weil der heilige Geist durch ihn in wenigenTagen die römische Republik befreit, weil derselbe ihn an den Ca-lenden des Monats August zum Ritter gemacht, weil er das Ritter-
l) Pape»cordt Urk. 10 I>. XX.